The Hateful Place RPG
28 Feb 2020

Der Autor

Wenn ich nicht gerade spiele verunstalte ich Medien. Kommt einem zu Gute bei eigenen Rollenspielen wie Malmsturm oder Projekten wie Ratten!, Savage Worlds Gentlemens Edition, Scion, Sundered Skies und ein paar anderen. An und für sich bin ich der Erzählonkel, daher auch die große liebe zu FATE. Manchmal muss es aber auch ein Burger statt Steak sein und so wird gern und oft auch Savage Worlds oder wenn es klasisch sein soll Pathfinder und Konsorten gespielt. Ich probier gern und oft Systeme aus aber die eigentliche Leidenschaft sind die Hintergrundwelten.

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A Role Playing Game System
For One and/or More players.
For settings from all times and all places
Provided that they are in Darkness.
This is alternate history, present and future
In a world gone very wrong.

Dunkle Rollenspiele faszinieren mich schon immer. Ich mag düstere, dreckige oder zwielichtige Settings. Welten mit Ecken und Kanten.
Dave Mitchell schreibt auf der ersten Seite seines Spiels The Hateful Place:

There is a hateful place, somewhere in my mind.

Als ich jüngst über das Abenteuermodul No Place Reich Home stolperte, hatte mich der Klappentext sofort. Genau meine Kante. Großartig. Stats für OSR-Spiele waren gut, aber was hatte es sich mit diesem Hateful RPG auf sich, für das es geschrieben wurde?
Nach kurzer Recherche haben mich die Cover und Klappentexte von Dave Mitchells Rollenspielreihe angesprochen. Man erfährt im Netz nicht wirklich etwas über die Regeln. Dennoch, ich war neugierig. Wollte die Regelwerke über Lulu bestellen. Gnargl – die Portokosten!
Gibt’s das Digital?
Nach einem kurzen Plausch über Instagramm mit Dave waren dann die Werke auch unterwegs zu mir. Er machte mir ein Angebot und versprach, die Werke über Drive Thru verfügbar zu machen. Während die in der Post sind, also DriveThru geentert. Frag nicht, warum ich einen Blindkauf als Buch und digital haben will…
Irgendetwas flüstert mir, dass mir das gefallen wird…

Ich werde im Folgenden weder das System erklären noch den Anspruch einer Rezension hegen. Ich fand bis dato schlichtweg kaum Infos über das System und will diese gepaart mit meiner Meinung veröffentlichen. Los geht es mit The Hateful Place Core Rules.

Das Setting

Das Setting hat The Hatful Place nicht; jedoch eine Grundprämisse, die von der Spielleitung und den Spieler*innen gefüllt wird.

 

Is there a party member you hate? Kill them. It’s OK. Do it. Kill
them and steal all that they have. These things happen. Accidents
happen. It was an accident or a power play. It’s how it is. It’s dog eat
rat. Sell their meat to a flesh peddler to fund your adventures. It’s 1976
and the punk movement has just taken over. The anarchists last three
months before the fascists take over, exterminating all rebels. Coal
powered military, machinery and industry on an unprecedented level
creates pollution levels that block out the sun for all but one hour a
day. Chaos rules and the governments have fallen. The Spanish
Inquisition walks the land. Matthew Hopkins went on to become Lord
Protector instead of Oliver Cromwell. Mars has life and it hates
humans. HP Lovecraft and Robert E Howard conjured their two worlds
to combine and now it’s basically barbarians versus demonic creatures.

There are Monks with sniper rifles.
One day the darkness fell, and all was changed.
Welcome to a world gone very wrong. Welcome to a twisted version
of any time, any place, but in a dystopian variant of how it was or will
be: Past, present, or future. All is dark, with night lasting 23 hours and
day only one single hour.

It is a shattered version of the actual place and time. Eg. In Victorian
England, a revolt sees the Royal heads now impaled near the Tower of
London, and Jack the Ripper is actually Sherlock Holmes; The Black
Plague turned Europe into a wasteland; Count Orlok becomes German
Kaiser in 1912; The Nazis won World War Two; Man landed on the
Moon only to awake the very worst of things; It is 1984 and Big
Brother really is already watching you; The Devil won the End of
Days.

Alter Besen. Eine Ansage. Wenn dir das gefällt, lies weiter. Wird noch besser. Wenn nicht, ist das verständlich. Dann verschwende keine Lebenszeit.
Im Buch finden sich gleich Tonnen von Setting-Ideen. Wem das nicht reicht oder wer gern fertige Szenarien spielt, wird bestens versorgt. Schaut einfach am Ende des Artikels in die Produktliste.

Das System

Charactercreation
D6 used for character creation
D10 used for damage and discovery
D20 used for combat and actions

Es gibt drei Attribute: Body, Mind und Soul. Alle Attribute sind mit ihrer Mechanik in die grundsätzliche Settingprämisse verwoben, was mir gut gefällt. Attributswerte ergeben feste Modifikatoren.
Es gibt Attacke und Parade.
Es gibt Hitpoints, die grundsätzlich zeigen, wieviel man aushält, und sich nicht nur auf physische Leistungsfähigkeit beschränken.
Bei 0 bist du tot, körperlich… Nett…
Wiederbelebung? Nope, nicht in diesem Spiel.
Hitpoints ändern sich auch im Laufe des Charakterlebens nicht!
Überhaupt ist Progression in dem Spiel nicht vorgesehen.
Spannung durch Ressourcenknappheit. Betrachtet man sich die Grundprämisse des Spiels wird das für Minikampagnen eh nicht nötig sein.
NPC-Hitpoints werden erwürfelt, Monster und Dämonen haben Feste HP und die nicht zu knapp. Macht das Leiten schön einfach 🙂
Du willst strahlende glorreiche Helden? Spiel besser etwas anderes…

Apropos spielen, es gibt vier Klassen: FIGHTER, MAGICIAN, BELIEVER und PROFITEER (Spezialisten halt).
Darunter vereinen sich narrative Konzepte und man bekommt Bonus-Modifikatoren auf Würfe.
Als Beispiel: FIGHTER->Witch hunter gains extra +1 on DR if vs. magic.
Dann gibt es noch Ausrüstung, Geld etc. Fertig ist der Charakter. Als nächsten geht es zum Setting mit dem einleitenden Hinweis:

Pick a year. Then fuck it up even more than it was; as though it’s a
sick mirror version of the actual history.

Später erfahren wir, dass wir das ganze noch mit Ergebnissen aus den Generatoren würzen sollen, die echt viel abdecken. Angefangen vom Startpunkt über verfluchte Landschaften oder was weiß ich. Es ist wirklich viel da.
Grundprämisse des Settings ist auch, dass es dunkel ist. Nur jeweils eine Stunde am Tag ist es hell. Mit der Dunkelheit wurden alle auch zu Monstern.

All became monsters when the darkness fell. Some are free of its curse
only during the daylight hour. Many men are also monsters. None can
be convinced that the character it now faces should not be killed. There
is no retreat and no surrender. They are driven by the need to feed,
possess, or both.

Monster waren schon da. Dämonen kamen mit der Dunkelheit…

The demons came with the darkness, granting great powers to monsters
and monstrous people in return for their servitude.

Ein paar Pinselstriche und eine wunderbare Grundlandschaft ist geschaffen. Ich mag das, sehr!

Magie ist einfach, fies, mächtig, richtig mächtig, dreckig und gemein. Ok gelogen. Lass das mit der Magie – außer du hast Spaß daran, deine Figur in die Scheiße zu reiten. Gefällt mir.

Nebenbei: Wir sind auf Seite 26 des Regelwerkes. Jetzt kommt bis Seite 32 ein Spielbeispiel gefolgt von Generatoren, die bis Seite 56 gehen. Man könnte das sehr sehr großzügige A4 Layout ordentlich packen und auf weniger Seiten kommen. Das als Info für all jene, die meinen, dass Seitenzahlen viel zu lesen bedeutet. Danach gibt es noch einen kleinen Appendix mit Bogen und Spielmaterial und dann war es das auch schon.

Eine Art Fazit

Ist das Regelwerk innovativ?
Nö.
Aber es stecken ganz viele kreative Impulse in dem Ding. Allen voran die Settingerstellung. Es ist dicht und randvoll mit Zeug, das drauf wartet, eingesetzt zu werden. Außerdem ist es schön geschrieben. Ich mag auch den Humor des Autors. Mich beschleicht auch der Gedanke, ob The Hateful Place in irgendeiner Kombination mit Ten Candles nicht unglaublich geil wäre…

Ist es gut?
Es ist stimmig und zeigt, was das Spiel will. Und das bei einer relativ einfachen Hintergundidee. Es ist regelleicht. Für das, was es sein will, ein Pluspunkt.

Mag ich das?
Ja sehr. Düstere dreckige Minikampagnen und tonnenweise stimmige Inspiration.

Ein bisschen Jammern!

Okay Illustrationen hat das Ding leider keine und auch nur ein basales Layout. Da hatte ich von den extrem reduzierten Covern der Bücher mit der textilen Optik eine deutlich zu hohe Erwartungshaltung.
Gut. Nicht schlimm. Dave überlegt wohl, das ganze zu crowdfunden, und dann soll es auch Illus hageln.
Was ich wirklich anstrengend finde, ist der Font, denn der hat keine Ligaturen. Das fehlen der ft-Ligatur ist ziemlich schmerzlich. Ich stolpere jedesmal bei dem Wort “often”. Aber hey, auch das lässt sich ändern und stört wahrscheinlich nur mich. Nitpicking.

Für wen also ist das Spiel?

Wenn du dich in den folgenden Punkten wieder findest, kauf das Ding!

  • Regelleicht
  • Für Minikampagne
  • Dreckig düster
  • Viel Inspiration
  • Zufallstabellen
  • Universell
  • Fertige Abenteuermodule

Produktliste

Regelwerke

  • The Hateful Place Core Rules [ PDF ]
  • The Hateful Place Book B [ PDF ]
  • 3 Being the Third Book of The Hateful Place [ PDF ]

Abenteuermodule

  • Victimshire ( Dave sagte mir, dass er über ein Jahr an Victimshire schrieb und es insgeheim der vierte Regelband sei)
  • Hop Hop My Dead Frog
  • No Rabbits In Rabbit Wood
  • Sirenswail

Drittanbieter Abenteuermodule

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