Rezension: The Laundry
09 Jan 2011

Der Autor

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Wenn ich nicht gerade spiele verunstalte ich Medien. Kommt einem zu Gute bei eigenen Rollenspielen wie Malmsturm oder Projekten wie Ratten!, Savage Worlds Gentlemens Edition, Scion, Sundered Skies und ein paar anderen. An und für sich bin ich der Erzählonkel, daher auch die große liebe zu FATE. Manchmal muss es aber auch ein Burger statt Steak sein und so wird gern und oft auch Savage Worlds oder wenn es klasisch sein soll Pathfinder und Konsorten gespielt. Ich probier gern und oft Systeme aus aber die eigentliche Leidenschaft sind die Hintergrundwelten.

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Cthulhoide Agentenjagd

Als H. P. Lovecraft im ersten Drittel des letzten Jahrhunderts mit seinem Horrorgeschichten über die Großen Alten, eine außerirdische Rasse mit gottähnlichen Kräften, niederschrieb, dachte er wohl nur in seinen kühnsten Träumen, dass seine Ideen fast 100 Jahre später immer noch als Grundlage für Filme, Comics, Bücher und Spiele verschiedenster Art dienen werden.
Charles Stross, Rollenspieler und Autor, wurde auch von Lovecrafts Horror inspiriert und begann 2004mit der noch nicht beendeten Laundry Files-Reihe.

Die Laundry Files erzählen die Geschichte Bob Howards, einem Agenten der britischen Krone, der sich mit dem Aufspüren und Abwehren abscheulicher Wesen aus anderen Dimensionen und Welten, meistens mit Tentakeln, beschäftigt und dabei viel zu oft mit der Bürokratie und seinen äußerst merkwürdigen Kollegen mehr Probleme hat als mit den Monstern. Die Abwehr aber auch die Beschwörung der Wesen geschieht dabei durch Computerprogramme und mathematischen Formeln, denn Mathematik ist das, was alle Universen und Dimensionen verbindet.

Genau diese Romanreihe inspirierte nun Gareth Hanrahan, Jason Durall und John Snead dazu ihren rollenspielerischen Beitrag zum Universum Lovecrafts zu leisten. The Laundry basiert dabei auf denselben Regeln nach denen auch das Call of Cthulhu Rollenspiel von Chaosium und die deutsche Übersetzung von Pegasus nutzen, die Regeln des Basic Roleplaying System, das Attribute und Fertigkeiten verwendet, für Proben einen %-Wurf verlangt und bei dem es auch Regeln für Wahnsinn gibt. Dieses System ist einfach zu verstehen und für erfahrene Call of Cthulhu-Spieler ist nur der Hintergrund ein neuer.

Mit diesen Regeln ausgestattet schlüpfen die Spieler in die Rollen von Agenten des britischen Secret Service Ablegers The Laundry, übrigens ein sehr passender Name, einmal natürlich weil eine Wäscherei ja tatsächlich Schmutz entfernt und zum Zweiten, weil so viele geheime Gruppierungen dem Klischee nach im Hinterzimmer von Wäscherein zusammenkommen. Das Buch ist übrigens voller solcher Gags und deshalb sehr unterhaltsam. The Laundry jagt, wie schon bei der Beschreibung der Romanreihe beschrieben die Tentakelmonster aus anderen Dimensionen. Neben dieser Tätigkeit müssen aber auch Magier und Tiefe Wesen aufgehalten werden, ganz zu schweigen vom Verhindern oder zumindest Verzögern von „Fall Alptraum Grün“, dem Erwachen eines uralten Wesens. Die Sterne stehen nämlich in wenigen Jahren äußerst (un-)günstig. Immer dabei natürlich die Computer mit den modernsten Bannformeln, ist der Computer nicht zur Hand, die neuesten Handymodelle schaffen das auch und zur Not kann man eine Formel ja auch einfach auf ein Blatt Papier schreiben, was in Notsituationen aber nur hilft, wenn man schnell schreiben kann.

Der Hintergrund und die Regeln wären damit abgehandelt, kommen wir nun zum unterhaltsamen Inhalt des Buches. Das Vorwort wurde von Charles Stross verfasst und gibt dem Buch eine spezielle Note mit auf den Weg. Bob, der Protagonist der Romanreihe, bekommt von seinem Vorgesetzten den Auftrag das vorliegende Buch auf eine potentielle Gefahr für The Laundry hin zu lesen. Genau das macht Bob auch, zusammen mit anderen Kollegen gründet er eine Rollenspielrunde, und seine, leider viel zu wenigen, Anmerkungen zu unterschiedlichen Dingen sind sehr aufschlussreich, vertiefen die Regeln und die geschichtlichen Hintergründe mit real wirkenden Zusatzaussagen sehr gekonnt. Die ersten acht Kapitel befassen sich mit dem Thema Rollenspiel und den normalen Regeln, wie Charaktererschaffung, Kampf und Wahnsinn. Das neunte Kapitel beschreibt vertiefend die Geschichte und die Abteilungen von The Laundry. Kapitel zehn widmet sich der Ausrüstung und Kapitel 11 den Formularen, die ausgefüllt werden müssen, um an die Ausrüstung zu kommen. Die Kapitel 12 und 13 beschreiben das Direktorium, andere Regierungsorganisationen, die sich mit dem Okkulten beschäftigen und die Organisationen der anderen Länder. Das ist besonders wichtig, wenn man nicht für die Queen und die Krone Englands arbeiten will. Das folgende Kapitel ist wieder ein Regelkapitel, hier werden die Magie und die Zaubersprüche erklärt. Das fünfzehnte Kapitel ist das Kapitel, das den Charakteren allein gewidmet ist, hier bekommen sie Tipps fürs Überleben und zum Verhalten im bürokratischen Apparat, hier sind Bobs Kommentare besonders hilfreich. Das letzte Spielerkapitel geht auf die Elemente ein, aus denen das Spiel besteht und wie die Gruppe das Beste daraus machen kann, inklusive eines kurzen Beispiels für gelungenes Rollenspiel.
Die letzten acht Kapitel und der Appendix, mit Tabellen, dem Index und dem Charakterbogen sind dann eher etwas für den Spielleiter. Nach einer kurzen Erklärung seines Jobs und wie man Missionen am besten vorbereitet, werden Angestellte, wie der Chef einer Unterabteilung mit dem Herz eines Kindes, welches er in einer Holzkiste unter seinem Bett versteckt hat, aber auch die Monster und normalen Tiere mit regeltechnischen Werten vorgestellt. Kapitel 20 wendet sich feindlichen Organisationen und Gruppierungen zu, auf die die Agenten jederzeit treffen können, wenn sie Monster jagen oder eine Beschwörung unterbinden wollen. Informationen zum Eintreten von „Fall Alptraum Grün“ dürfen natürlich auch nicht fehlen und auch nicht, wie Spiele in einer Welt, in der der Fall eingetreten ist aussieht. Falls dem Spielleiter die bisherigen Tipps und die Monster nicht ausreichen, um Ideen für Missionen zu bekommen, sind die letzten drei Kapitel genau das richtige. Drei sehr gelungene Missionen für Einsteiger und Fortgeschrittene mit jeder Menge Horror aber auch der schon deutlich gewordenen Prise britischen Humors warten darauf erfüllt zu werden. Die erste Mission ist eine Trainingsmission für neue Agenten und Mission zwei eine Mission, die sich mit Forschungsprojekten beschäftigt, die besser nie begonnen hätten werden sollen. Die dritte Mission bringt die Charaktere an den Rand des Wahnsinns, während sie in einem Irrenhaus ermitteln müssen.
Bob findet das Buch als Lehrwerk für neue Agenten äußerst nützlich und genau so nützlich wie es für Agenten ist, ist es auch für Rollenspieler in der Welt Lovecrafts. So wie hier, wurde der Mythos bisher nicht bekämpft und gerade das macht das Spiel zu etwas besonderem. Auch handwerklich kann man nicht meckern. Ein sauber verarbeitetes Buch ohne Fehler und mit übersichtlichen Tabellen und noch dazu mit tollen Bildern ausgestattet ist es als klares Konkurrenzprodukt zu Cthulhu Now zu sehen.

Fazit: The Laundry von Gareth Hanrahan, Jason Durall und John Snead ist eine gelungene Umsetzung einer Romanreihe um einen Agenten einer okkulten britischen Regierungsorganisation in einer Welt, in der die Mathematik und Computer dazu verwendet werden Monster mit Tentakeln zu bannen und zu beschwören. Als Agenten dieser Organisation müssen die Spieler das Erwachen eines bösen Wesen verhindern und die Welt retten, was durch die vielen Formulare die es auszufüllen gilt, gar nicht so einfach ist. Horror trifft auf britischen Humor, eine unschlagbare Kombination.

Titel: The Laundry
Art: RPG
Regeln: Basic Roleplaying System
Sprache: Englisch
Verlag: Cubicle Seven
Publikationsjahr: 2010
Autor: Gareth Hanrahan, Jason Durall und John Snead
Übersetzer: –
Illustrationen: Empty Room Studios, Aaron Acevedo u.v.a.
Umfang: 288 Seiten
Bindung: Hardcover
Preis: 24,99£/33,95€
Rezensent: Martin Wagner

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3 Comments
3 Kommentare
  1. Verdammt fällt mir das schwer, das Buch NICHT zu kaufen. Aber ich brauch es doch nicht… und will es doch!

  2. Kauf das Ding einfach ich mach mit

  3. Gibt es eigentlich einen Verlag, der das auf Deutsch bringen will?
    Davon abgesehen, hat jemand mal gehört, ob DeltaGreen neu aufgelegt wird?

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