Rezension: Ghosts in the House
24 Dez 2012

Der Autor

avatar

Wenn ich nicht gerade spiele verunstalte ich Medien. Kommt einem zu Gute bei eigenen Rollenspielen wie Malmsturm oder Projekten wie Ratten!, Savage Worlds Gentlemens Edition, Scion, Sundered Skies und ein paar anderen. An und für sich bin ich der Erzählonkel, daher auch die große liebe zu FATE. Manchmal muss es aber auch ein Burger statt Steak sein und so wird gern und oft auch Savage Worlds oder wenn es klasisch sein soll Pathfinder und Konsorten gespielt. Ich probier gern und oft Systeme aus aber die eigentliche Leidenschaft sind die Hintergrundwelten.

Teilen

The Ghosts in the House

Titel: Ghosts in the House
Art: Abenteuerband
Sprache: Englisch
Verlag: Chaosium (Miskatonic University Library Association Monographs)
Publikationsjahr: 2012
Autor: Alan Leddon
Umfang:
68 Seiten
Bindung: pdf
Preis: ~9,38€/reduziert: ~5,15€
Rezensent: Andreas G.

Geisterhäuser gehören spätestens seid Blackwood zum festen Repertoire der Horrorliteratur. Und auch in den Cthulhumythos haben gruselige Häuser in verschiedenen Formen Einzug gehalten. Ghosts in the House reiht sich nur in wenigen Punkten in die klassische Gruselhausgeschichte ein, in der  Kampagne haben es die (Einsteier)investigatoren nämlich nicht mit einem kleinen abgeschiedenen Haus im Wald, sondern einem Krankenhauskomplex in einem -ebenso abgeschiedenen- Wald in Wisconsin zu tun. Selbstredend ist das „Oak Grove Nursing and Rehabilitation Center“ kurz vor dem Verfallen, aber dennoch ungleich belebter als ein einsames Häuslein. Das Krankenhaus wirtschaftet zwar auf Sparflamme und ist vom Konkurs bedroht, einige Patienten und die Angestellten sind aber dennoch rund um die Uhr zugegen. Die Interaktion mit Angestellten und Patienten ist dann auch das Hauptinvestigationsfeld der Charaktere. Diese werden als Gruppe angeheuert dem Spuken im Haus nachzugehen, dem sie mit Überwachungsgerät und relativer Bewegungsfreiheit auf den Grund gehen sollen. Wir haben es also mit einem ganz klassischen Investigationsabenteuer in der Gegenwart zu tun.
Über die Investigation und den Mythos soll an dieser Stelle nicht viel verraten werden. Letztlich handelt es sich um eine cthuloid aufbereitete Geistergeschichte mit wenig Überraschungen. Nicht nur das Lovecraftsche Motive hinter okkulten Magieversuchen zurückstehen, auch ist der Plot selber enorm simpel gestrickt. Es ist kein Twist dabei der das Abenteuer bzw. die Minikampagne besonders hervorhebt, dafür diverse Macken, da die (Einsteiger)charaktere streng genommen nicht einmal die Möglichkeit haben das Abenteuer zu lösen, da sie dazu einen Zauber benötigen, den sie im Abenteuerverlauf nicht erlangen können.
Die Stärke liegt wenn in der Ausgestaltung des Krankenhauses. Dieses ist wirklich lebendig und gut verflochten beschrieben. Zahllose NPCs und ihre Verbindungen sind beschrieben, der Alltag des Krankenhauspersonals ist nachvollziehbar und es entsteht eine Lebendigkeit, da die Reaktion der Bewohner durch bestimmte Ereignisse angegeben ist.  Diese Liebe zum Detail ist eine Stärke die sich auch an einigen anderen Stellen positiv findet. So wird ein Akzent beschrieben der die Bewohner des umliegenden Städtchens und das Personal besser darzustellen hilft, werden interessante Ereignisse und kleine Nebenplots eröffnet und merkt man auch dem Sprachstil eine gewisse Liebe zum Setting an. Leider hört es mit dieser Liebe zum Detail und Setting auch schon mit dem positiven der Kampagne auf da das (digitale) Buch und die Abenteuer einige andere Makel enthalten…
Das ganze beginnt damit, das ein Versprechen der „Miskatonic University Library Association Monographs“ aufs genaueste eingehalten wird. Das Konzept dieser Reihe ist es den Inhalt zu prüfen, aber Editorische und Layoutaufgaben ganz bei den (Fan)autoren zu belassen. Auch wenn das Lektorat für diese Prämisse solide ist, schlägt das verhauene Layout vollständig zu Buche. Was der Leser kriegt sind 58 Seiten Blocksatz mit gelegentlichen Zwischenüberschriften, einer Prise Kursivierung und einer Hand voll Charakterzeichnungen. Letztere sind zwar durchaus akzeptabel ausgeführt, schaffen es aber kaum eine gruselige Atmosphäre zu erzeugen oder die Charaktere gut darzustellen. Der gewählte Comicstil verschlingt jede Atmosphäre und dient eher zur Orientierung beim durchblättern. Schwerwiegender ist aber allemal das Layout…
Grundsätzlich hakt das Abenteuer daran dass es mit einer ganzen Menge an Details und Geschehnissen daherkommt, man aber kaum weiß wie man sie unterbringen oder sich merken soll. So fangen die ersten Seiten noch sehr linear an und kann man sich das wichtigste herausstreichen, Hervorhebungen vom Autor sucht man aber schon hier vergebens. NPCs werden beschrieben wenn sie das erste mal auftauchen und nur mit Glück hat die Charakterbeschreibung überhaupt einen eigenen Abschnitt bekommen.
Danach geht es zwar systematischer aber ebenso schlecht Lektoriert weiter. Der Hauptteil des Abenteuers besteht aus möglichen Informationen, die verschiedenen (noch nicht beschriebenen NPCs) zugewiesen sind. Natürlich muss man auch hier Abschnitte zählen um die Informationen auseinanderzuhalten. Danach geht es mit ebenso aneinandergereihten zufälligen Ereignissen und von Charakteren angestoßenen Ereignissen weiter. Ein ganzes Sammelsurion am Ereignissen kann so passieren, sie im richtigen Moment als SL zu finden dürfte aber eine harte Aufgabe sein.
Erst danach geht es an die Hausbeschreibung die Raum für Raum und später Patient für Patient mit einigen Zeilen beschreibt. Hier hat man zwar die Überschriften fett und kursiv hervorgehoben und kleine abstände zwischen den Absätzen eingefügt, dafür sind die Überschriften mit „101. Occupied Room“ bis „313. Unoccupied Room“ alles andere als aussagekräftig. Charakternamen findet man nur versteckt und einzelne – meist gegenüberliegend angeordnete Bilder – helfen  nur bedingt bei der Orientierung. Das ganze geht nun natürlich mit Angestelltenbeschreibungen und ein paar Seiten zu Untersuchungsmethoden weiter, bis man zur nächsten Ereignisleiste kommt. Tag für Tag werden nun die Geschehnisse von 20 Tagen geschildert wonach es dann an die Hintergründe der Geschehnisse selber geht. Erst in dieser Sektion heißt es  nun „for the Keeper’s eyes only“, wobei bis dahin schon Spielleiterinformation um Spielleiterinformation preis gegeben wurde. Zwar kommt man nun noch einmal eine Ebene tiefer und kriegt die ominösen Hintergründe vermittelt, die bitter benötigte Struktur findet man aber auch hier nur ansatzweise.
Alles in allem ist dieser Aufbau auch bezeichnend für die Abenteuerstruktur. Im wesentlichen befragen die Charaktere Patienten und Angestellte, bauen Überwachungskameras auf und warten ab. Letzteres wird an manchen Passagen besonders bitter, wenn einfach ausgewürfelt werden soll nach wie viel Tagen die Aufzeichnungsgeräte bestimmte Dinge aufnehmen. Dieser fast klassische pseudorealismus durchzieht das Abenteuer deutlich. Es wird dann detailliert wenn es um Kosten, Rückerstattungsbedingungen, Bezahlung, Reparatur und Equipment geht und dann wenn es darum geht wann welches Ereignis eintritt. Dafür wird die konkrete Investigationsebene teilweise einfach vorausgesetzt. Hier drängt sich der Eindruck auf, dass das Abenteuer eher für den Autoren selber aufgeschrieben wurde als für einen Leser, der eben Schritt für Schritt an das Abenteuer herangeführt werden müsste, weil er nicht die Gesamtstruktur vor Augen hat.
Vielleicht ist es bisher aufgefallen das es mir schwer viel den Band als Abenteuer oder Kampagne zu bezeichnen. Irgendwie changiert das Buch zwischen beidem. Über 50 Seiten füllen das erste Abenteuer, was weitgehend aus Beschreibungen des Hauses und der Charaktere besteht. Die 3 folgenden „Abenteuer“ setzen das alles voraus und geben auf je 2-3 Seiten kleinere Folgeplots an. Hier bemüht man sich auf wichtige Stellen zu rekurrieren, strukturierter wird es dadurch aber kaum und die konkrtete Ausgestaltung des Abenteuers liegt fast vollständig in der Hand des Spielleiters. Wiederum liegt die Stärke wenn darin, dass der liebgewonnene Ort sich verändert und an Stränge des Hauptabenteuers angeknüpft wird, aber nicht in Innovation oder Ideenreichtum.Gerade das Ende unterbietet sogar vieles was man an Abenteuern gewohnt ist…

Alles in allem möchte ich die Kampagne irgendwie mögen. Man merkt den Autoren ihre Liebe zur Kampagne an und sie schaffen es durchaus das Haus und seine Bewohner dynamisch und lebendig zu präsentieren. Hier liegt viel Potential. Das Haus ist mit viel Details angereichert und lädt zum spielen ein. Leider  wird dies von den meist völlig plumpen Plotentwicklungen und dem viel zu starren und unkoordinierten Abenteuerablauf überdeckt. Das Buch gibt einen Haufen an Informationen, Charakteren und einen groben Spannungsbogen, der  Spielleiter muss aber die Dramaturgie und viel von der Ausgestaltung selber übernehmen. Außerdem wird er – vermutlich ebenso wie die Spieler – von der Überfülle an Informationen regelrecht erschlagen. Das Ganze wird nun nicht nur für den Spielleiter gehörig durch das wirklich miserable Layout und die ebenso miserable Struktur erschwert, sondern für beide Seiten des Spielleiterschirmes auch dadurch, das man sich durch etwa 50 Räume wühlen muss, die zudem hauptsächlich durchnummeriert sind. Das macht das Merken und zuordnen noch einmal schwerer zumal sich die handlung fast vollständig auf das eine Haus beschränkt.
In sofern kann ich zu keinem positiven Schluss kommen. Zwar haben die Autoren ordentlich zeit in das Buch gesteckt und kriegt man einiges für sein Geld, das Material ist aber meines Erachtens nur schwer spieltauglich und lässt fast alles an Service vermissen was man gewohnt ist. So gibt es keine Handouts, keine Übersichten, nur eine (bitter nötige) Karte und nicht einmal einen überzeugenden Plot.
Wer ein simuliertes spukiges Krankenhaus zum investigieren sucht und Lust hat sich mit viel Mühe in eben jenes einzuarbeiten mag vielleicht etwas mit den „Ghosts in the House“ anzufangen wissen, alle anderen dürften bessere Investitionsmöglichkeiten für immerhin 5€ finden…

No comments
Sag was dazu

*

Auch das noch: Vor kurzem: Kommentare:
DriveThruComics.com