Rezension: Einsamer Wolf Bd. 2
19 Dez 2009

Der Autor

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Wenn ich nicht gerade spiele verunstalte ich Medien. Kommt einem zu Gute bei eigenen Rollenspielen wie Malmsturm oder Projekten wie Ratten!, Savage Worlds Gentlemens Edition, Scion, Sundered Skies und ein paar anderen. An und für sich bin ich der Erzählonkel, daher auch die große liebe zu FATE. Manchmal muss es aber auch ein Burger statt Steak sein und so wird gern und oft auch Savage Worlds oder wenn es klasisch sein soll Pathfinder und Konsorten gespielt. Ich probier gern und oft Systeme aus aber die eigentliche Leidenschaft sind die Hintergrundwelten.

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Feuer über den Wassern

Lange bevor ich im Wertheimer Jugendhaus das erste Mal einen Rollenspielcharakter erschuf, haben meine Freunde und ich Fantasy-Spielbücher regelrecht verschlungen. Alles begann mit dem „Schwert des Samurai“ und führte uns durch Kerker von Hexenmeistern, finstere Forste , Diebesstädte und in verfluchte Häuser. Damals haben wir uns diesen Büchern genauso enthusiastisch gewidmet wie dem Super-Nintendo, dem Mega-Drive oder unseren „Prä-Larp-Geschichten“ im Wald mit Holzschwertern. Von daher habe ich eine emotionale Bindung zu dieser Art von Spielen/Büchern. Die Saga „Einsamer Wolf“ ist darüber hinaus meine Lieblingsserie (Alle 12 Bände der deutschen Originalausgabe stehen in meinem Regal) und ich versuche das im Folgenden so weit wie möglich auszublenden. Sollte mir das nicht immer gelingen, jetzt wisst ihr warum. Auf geht’s:

Grundsätzliches hat sich an Band 2 auf den ersten Blick nichts verändert. Nun gut, das Cover ist neu und wirkt wesentlich moderner, wie auch die gesamte Außenillustration und das Layout. Allerdings muss ich sagen, dass das Covermotiv unter der niedrigen Auflösung leidet. Der zweite Blick zeigt jedoch, dass die farbige Landkarte zu Beginn des Buches einen neuen Schliff bekommen hat und die Illustrationen im Inneren des Buches komplett neu sind. Beide Veränderungen stellen sich als gute Lösungen dar. Die modernen Zeichnungen im Buch haben zwar den schönen Charme der achtziger Jahre verloren, sind aber dennoch ansehnlich und dem Standard der Industrie gewachsen.

einsamer wolf 2

Natürlich haben sich die Regeln nicht verändert. Fantasy-Spielbücher kommen ohnehin mit einem kleinen Satz an Regeln aus und bei „Einsamer Wolf“ waren diese schon immer schlank und ohne Schnörkel. Ausnahmen bestätigen die Regel und das Errechnen einen „Kampfquotienten“ kenne ich sonst aus anderen Spielbüchern nicht. Das mag Neulinge bei erstmaligem Lesen etwas verwirren, klärt sich aber, wenn man die Tabelle am Ende des Buches betrachtet und den ersten Kampf hinter sich hat.
Ganz ehrlich, ich war nie ein Fan der Zufallstabelle für Zahlen, die sich gewöhnlich auf einer der letzten Seiten des Buches findet. Ich habe das lieber mit einem W10 gehandhabt. Aber geblieben ist die Tabelle dennoch und wenn man dann eben mal keinen Würfel zur Hand hat, z.B. in der Bahn oder im Bus, ist sie doch wieder nützlich.
Über die eigentliche Geschichte will ich nur soviel verraten, wie auch die Rückseite des Buches hergibt. Sommerlund, das Heimatland des einsamen Wolfes, wird belagert und dieser vom König ausgesandt, um das heilsbringende Sommerswerd wiederzuerlangen. Im Kern handelt es sich bei „Feuer über den Wassern“ um ein Reiseabenteuer, d.h. Kerker, Städte, Höhlen kommen zwar vor, stehen aber nur am Rand. Auch darf man von Fantasy-Spielbüchern im Allgemeinen keine tiefen, philosophischen Plots und vielfacettierten, literarischen Eskapaden erwarten. Als Charaktere müssen in der Regel die altbekannten Archetypen herhalten. Tut das dem Ganzen einen Abbruch? Nicht im Geringsten! Gerade aus der, vergleichsweise einfachen Struktur des Plots und der NPCs geht der Reiz des zweckgebundenen Sachlichen hervor. Hochtrabende Konzepte werden hier gegen den Antrieb getauscht, schlicht und ergreifenden einfach mal ein Abenteuer zu erleben, ohne viel unnötiges Drumherum. Die Handlung im zweiten Teil der Saga ist dennoch hochgradig unterhaltsam, bietet viele Konflikte, Wendungen und Überraschungen.
Gerade die zahlreichen Kämpfe sind eine wirkliche Herausforderung. Ja, ich gebe es zu, auch wenn ich am Anfang ganz gut gewürfelt habe, beim ersten Versuch bin ich auf halbem Weg gestorben. Naja, macht nichts, denn der Wiederspielwert ist hoch. Wie schon vor vielen Jahren war ich wieder fasziniert von der Vielfältigkeit der Handlungsmöglichkeiten. Hier macht es eben doch einen gravierenden Unterschied, ob ich jetzt rechts oder links gehe, wo ich mich verstecke und ob ich das Essen jetzt verzehre oder nicht. In der Regel ist es mir noch nie gelungen in einem Durchgang alle Ereignisse in voller Länge zu erleben. Das erhöht den Anspruch alles sehen zu wollen, neben der Tatsache, dass das eigentliche Spielen so schön unkompliziert von der Hand geht.
Insgesamt muss ich sagen, dass sich in spieltechnischer Hinsicht nichts Revolutionäres verändert hat. Man ist bei der Neuauflage dem altbewährten und mehrfach erprobtem Prinzip treu geblieben. Gegen diese Entscheidung spricht auch nichts, allerdings bleibt so ein allgemeines Déjavu-Gefühl. Wer im Hauptplot oder Spielstruktur von Band zwei nach Neuerungen sucht, wird keine finden.
In einer wichtigen Sache unterscheidet sich die hier besprochene Neuauflage des Mantikore Verlages dann doch von meiner alten Goldmann Edition. Zum einen plant der neue Verlag die gesamte Saga zu veröffentlichen, die alte in Deutschland] Serie endete dagegen nach Band zwölf. Zum anderen enthält jeder neue Band auch neues Material. Was in Band Eins zusätzliche und verlängerte Szenen waren, ist in Band zwei ein Bonus-Abenteuer. Der Leser übernimmt dabei die Rolle von Rhygar, einem Charakter dem „Einsamer Wolf“ im Verlauf des Haupt-Plots begegnet. Dieser muss die verloren Krone des Königs wiederbeschaffen und begibt sich auf eine nicht minder gefährliche Suche als jene des Hauptcharakters. Mir hat die Geschichte wirklich gut gefallen, ermöglicht sie doch einige Orte genauer zu untersuchen, die im Haupt-Abenteuer nur angeschnitten wurden. Die Sicht auf die Welt Magnamund wird so nicht unwesentlich vervollständigt. Nebenbei ist die Zusatzgeschichte auch noch richtig spannend. Leider ist sie verdammt kurz und die Illustrationen nicht so gut gelungen wie im Hauptteil, sie sind aber auch nicht vom selben Zeichner. Ansonsten ist das Gebotene allerdings sehr lobenswert.
Was „Einsamer Wolf“ schon immer von vielen anderen Serien unterschieden hat, ist , dass der Charakter von einem Buch auf nächste übertragen werden kann. So entsteht das Gefühl einer fortlaufenden Geschichte, auch wenn der Hauptcharakter der einzige zu sein scheint, der sich entwickelt. Ich jedenfalls bin gespannt, wie sich mein „Einsamer Wolf“ in den „Grotten von Kulde“ schlagen wird, dem hoffentlich bald erscheinenden dritten Teil der Reihe.
Von mir erhält das Werk das Prädikat „Empfehlenswert“, zumindest für Neueinsteiger. Veteranen der Serie werden sich sicher über die gelungene Neugestaltung und den Bonus-Inhalt freuen, kennen den Rest aber schon. Ob man dafür den vollen Preis bezahlen möchte, muss jeder selbst entscheiden, ich finde die erwähnte Lösung aus Band eins besser. Interessant wird es ab Band 13, wenn die deutsche Erstveröffentlichung neuer Abenteuer ansteht. Bis dahin ist es aber noch etwas Zeit und ich habe mich entschieden die Abenteuer des Kai-Lords nochmal zu erleben, in der Neuauflage natürlich. Ich bin eben Fan.

Titel: Einsamer Wolf Band 2 – Feuer über den Wassern
Art: Abenteuer-Spielbuch
Regeln: Einsamer Wolf
Sprache: Deutsch
Verlag: Mantikore Verlag
Publikationsjahr: 2009
Autor: Joe Dever
Übersetzer: David Poppel
Illustrationen: Richard Longmore
Umfang: 323 Seiten
Bindung: Softcover
Preis: 14,95 €
Rezensent: Bastian Olpp

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1 Comment
1 Kommentare
  1. Ich habe zwar schonmal ein Spielbuch ausprobiert aber das war nicht so mein Ding. Aber vielleicht versuch ich das nochmal mit dem Buch „Einsamer Wolf“.

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