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Rezension: Einsamer Wolf 8 – Der Dschungel des Grauens
02 Feb 2012

Der Autor

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Wenn ich nicht gerade spiele verunstalte ich Medien. Kommt einem zu Gute bei eigenen Rollenspielen wie Malmsturm oder Projekten wie Ratten!, Savage Worlds Gentlemens Edition, Scion, Sundered Skies und ein paar anderen. An und für sich bin ich der Erzählonkel, daher auch die große liebe zu FATE. Manchmal muss es aber auch ein Burger statt Steak sein und so wird gern und oft auch Savage Worlds oder wenn es klasisch sein soll Pathfinder und Konsorten gespielt. Ich probier gern und oft Systeme aus aber die eigentliche Leidenschaft sind die Hintergrundwelten.

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Titel: Der Dschungel des Grauens (EW 8)
Art: Spielbuch
Regeln: Einsamer Wolf (enthalten)
Sprache: Deutsch
Verlag: Mantikore-Verlag Nicolai Bonczyk
Publikationsjahr: 2011
Autor: Joe Dever
Illustrationen: Rich Longmore
Umfang: 435S.
Bindung: Softcover
ISBN: 978-3-939212-12-6
Preis: 14,95€
Rezensent: Andreas G.

Im achten Band der Einsame-Wolf Saga verschlägt es den Spieler in den Dschungel des Grauens. Auf der Suche nach einem weiteren Weisheitsstein durchquert er die sumpfige Dschungelgebiete des Danargs, entdeckt Dörfer, eine phantastische Pyramide und wird Zeuge großer Kriegsbewegungen.
Auch der achte Band ist dabei in erster Linie eine verbesserte und generalüberholte Ausgabe des Buches aus den späten 80er Jahren. Die Hauptgeschichte umfasst 350 Abschnitte auf über 250 Seiten und hat damit einen ähnlichen Umfang wie auch der vorhergehende Band. Das Abenteuer selbst erzeugt erfolgreich ein Gefühl von Handlungsfreiheit, wenngleich es immer noch einige Stellen gibt die zu künstlichen und nicht immer vorahnbaren toten Enden führen. Einige Episoden am Wegesrand können so zwar angeschaut werden, enden aber oft im Tod oder wieder auf dem Hauptpfad. Manche dieser Episoden sind dennoch sehr schön gelöst. Hier wurden ein paar Absätze mehr investiert und springen kleine Vorteile für den Folgeverlauf heraus oder werden ungezwungen aufgelöst. Alles in allem gelingt der Geschichte eine gute Atmosphäre und ein Gefühl von Spielfreiheit. Das Abenteuer ist darüber hinaus erstaunlich umfangreich und schafft es Fertigkeiten besser zu integrieren als der vorhergehende Band. Die recht häufigen Kämpfe sind oft Konsequenzen für ‚falsche‘ Entscheidungen und als solche zwar nicht immer absehbar und allzu plausibel, aber nicht störend. Besonders schön ist, das die gewählten Wege deutliche Unterschiede ermöglichen, die (natürlich vollfarbige) Karte zu rate gezogen werden kann und der Spieler Zeuge großer Ereignisse wird. Zuletzt ist es eine schöne Abwechslung das dem Charakter der Vakeros-Kampfmagier Poaido beiseite gestellt wird. Dieser ist dann auch der Protagonist des Prequel-Abenteuers „Maskerade in Hikas“. Dieses fällt außergewöhnlich lang aus und bringt den Band auf gute 430 Seiten.
Das Abenteuer ist inhaltlich interessant da es den Nebencharakter selber spielbar macht und eine ganze Reihe an neuen Fertigkeiten enthält. Leider ist dies gleichzeitig eine der großen Schwächen des Abenteuers. Es ist zwar schönd as mit alternativen Fertigkeiten experimentiert wird, es stehen aber über 30 verschiedene Sonderfertigkeiten zur Verfügung, die das Erstellen des Charakters in die Länge ziehen und auf den 153 Abschnitten nicht ernstlich zur Wirkung kommen können. Die Mühe des umfangreichen Charakterbaus lohnt sich daher kaum, zumal nicht alle Fertigkeiten sofort verständlich definiert sind. Hier wäre weniger mehr gewesen.
Das Abenteuer selber ist eine Verfolgungsjagd durch die Stadt Hikas, die stellenweise einiges an Spannung aufbaut und Einblick in Geschehnisse hinter den Kulissen bietet. Leider wirkt die Jagd über weite Strecken etwas Planlose und kaum vom Spieler kontrollierbar. So fallen die einzelnen Abschnitte sehr lang aus und weisen oft auf einen einzigen weiteren Abschnitt hin oder lassen den Fortgang einzig von einer Zufallszahl abhängen. Qualifizierte Entscheidungen (also welche bei denen die Wahl der Abschnitte bewusst gefällt werden kann und nicht nur die Wahl einer von drei unbekannten Türen ist) gibt es selten. Auch die Spielmechanismen sind eher dürftig umgesetzt. Die Kämpfe sind zwar spielmechanisch sehr ausgeprägt indem viel von Sonderfertigkeiten der Gegner Gebrauch gemacht wird. Die eigenen Nicht-Kampf-Fertigkeiten kommen jedoch kaum zur Wirkung. Auch was Ausrüstungsmanagement und Schadenspunkte angeht fällt das Abenteuer eher dürftig aus. So verliert Praidos gleich im ersten Abschnitt einen Teil seiner Standardausrüstung und werden am Anfang mehr Schadenspunkte regeneriert als überhaupt verloren werden konnten. Hinzu kommen plötzliche und teilweise bloß auf Zufall aufbauende Tode, die tw. sogar durch die Anwendung einer Fertigkeit angestoßen werden.
Die sechs Illustrationen fallen dafür sehr schön aus, wenngleich die Stadtzeichnung der Beschreibung schwer gerecht wird und das Bild eines zu findenden Leichnams nicht mit dem Finden der Leiche selber sondern der Anwendung einer Sonderfertigkeit in der Szene verknüpft wird. Alles in allem ist das Zusatzabenteuer daher zwar aussergeöhnlich umfangreich, aber vermag kaum mit dem Hauptabenteuer mitzuhalten, wenngleich es szenenweise ein gutes Stadtgefühl vermitteln kann.
Die Neuaflage von Band 8 der Einsame-Wolf Saga ist wie gewohnt ein luxuriöses und weitgehend gelungenes Buch. Das Hauptabenteuer vermag zu überzeugen und auch das Bonusabenteuer ist – wenngleich schwächer – keine Enttäuschung. Wer die Saga durchspielt wird um den Band nicht herumkommen (wollen), wer neu einsteigen mag, greift zu einem gelungenen Band, sollte aber vielleicht eher einen Blick in die 2. Auflage des ersten Bandes der Neuausgabe werfen.

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