Rezension: Cthulhu New York Quellenband
06 Feb 2011

Der Autor

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Wenn ich nicht gerade spiele verunstalte ich Medien. Kommt einem zu Gute bei eigenen Rollenspielen wie Malmsturm oder Projekten wie Ratten!, Savage Worlds Gentlemens Edition, Scion, Sundered Skies und ein paar anderen. An und für sich bin ich der Erzählonkel, daher auch die große liebe zu FATE. Manchmal muss es aber auch ein Burger statt Steak sein und so wird gern und oft auch Savage Worlds oder wenn es klasisch sein soll Pathfinder und Konsorten gespielt. Ich probier gern und oft Systeme aus aber die eigentliche Leidenschaft sind die Hintergrundwelten.

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Im Schatten der Wolkenkratzer

New York ist ein großes Geheimnis, nicht nur für all jene, die es niemals gesehen haben, sondern auch für die Mehrzahl seiner Bürger“ Edward Winslow Martin (Das Geheimnis der großen Stadt)
Mit diesem Zitat leitet Redakteur Heiko Grill den Quellenband New York ein und ich finde es ist eine passende Beschreibung für New York. Um einen ersten Eindruck zu erhalten und einfach mal in New York, speziell in Manhattan, rein zu schnuppern empfehle ich die Faltkarte von der Rückseite zu öffnen, um sich einfach der Dimensionen bewusst zu werden und sich auf den Quellenband einzustimmen.

Der Band über New York beginnt mit einem allgemeinen und geschichtlichen Überblick über die Stadt. Dieser wird kurz erläutert und mit einer Chronologie der wichtigsten Ereignisse ergänzt.

Der Rest des ersten Kapitels liefert einen guten Überblick über die Stadt selbst, so etwa die Prohibition in New York, die soziale Ordnung, aber auch die möglichen Fortbewegungsmittel und einige interessante Details zur Stadt, wie z.B. „Tipps für Touristen“ die wohl auch heute noch ihre Gültigkeit haben ;). Das ganze Kapitel ist mit verschiedensten passenden Bildern versehen, um dem Leser die damalige Situation zu verdeutlichen. Den Abschluss macht eine Aufzählung von Filmen, welche den Charme der Stadt, sowie gleichzeitig das mögliche Grauen in New York aufzeigen können.

Das Kapitel über „die Unterwelt“ beschreibt auf mehr als 30 Seiten die Betätigungsfelder der Kriminellen und die Strukturen einer Mafiafamilie. Hier wird dem Spielleiter auch schon die erste Möglichkeit geboten Spieler in ein Abenteuer einzuflechten bzw. anzuknüpfen. Der Hauptteil des Kapitels ist zeitlich in sechs Abschnitte unterteilt, in denen die jeweils zu diesem Zeitpunkt vorherrschenden und wichtigsten Gangs (z.B. Chinesische Tongs, die Camorra, oder die Kosher Nostra) der Stadt vorgestellt werden. Diese werden mit Werten wichtiger Persönlichkeiten und der Beschreibung der Kleinkriege angereichert. Dabei sind die Gangs nach Nationalitäten und anderweitigen Zugehörigkeiten sortiert, um dem suchenden Spielleiter einen schnellen Einblick zu ermöglichen.

Sehr interessant finde ich das dritte Kapitel und die Betrachtung des „Terranova Girls“ eines realen Falls, der dem Spielleiter die Möglichkeit gibt Cthuloide Ansätze auch im „alltäglichen“ Verbrechen zu finden. Außerdem vermittelt der, durch verschiedenste Artikel der New York Times ergänzt und untermauerte, Fall Verständnis und Einsicht in das damalige Rechtssystem sowie Denkweisen der Gesellschaft.

Die restlichen sieben Kapitel beschreiben, beginnend mit Manhattan über Bronx und Queens nach Brooklyn und zum Schluss Staten Island die Stadt. Die einzelnen Stadtteile sind wiederum in Viertel aufgeteilt um alles übersichtlicher zu gestalten. Dort wird auf spezielle Orte und regionale Persönlichkeiten eingegangen die mit Karten, Bildern und Werten dargelegt werden, um so Abenteuer in New York mit Leben zu füllen oder dem Spielleiter z.B. für eine Kampagne die Möglichkeiten zu geben auch flexibel an andere Orte zu gelangen oder sie z.B. mit den Traumlanden zu verknüpfen.

Pinselstriche von Alexander Dotor und Peter Schott

Das Abenteuer dreht sich um einen Kunstwettbewerb, bei dem die Charaktere Jurymitglieder sind und der Gewinner schon im Vorhinein klar ist. Dies führt zu weiteren Verwicklung des Abenteuers worauf sich ein Künstler mit seiner Frau tötet und im weiteren Verlauf ein Jurymitglied nach dem anderen auf mysteriöse Art und Weise umkommt. Dies müssen die Charaktere verhindern um nicht selbst Zielscheibe des Mörders zu werden.

Für mich, der einen Fabel für den König in Gelb hat, reiht sich „Pinselstriche“ sehr gut in die bereits vorhanden Abenteuer zum Gelben König ein. Für Spieler/Charaktere, die den Gelben König schon kennen, könnte das Abenteuer ggf. einen Tick zu einfach sein. Dennoch sollte man sich auf dieses Abenteuer einlassen und auf sich wirken lassen. Der Aufbau des Abenteuers ist gut und die wichtigsten Szenen und vor allem Schauplätze werden sehr genau beschrieben. Die Charaktere sollten auf das Abenteuer abgestimmt sein, um nicht fehl am Platz zu sein. Das Ende gestaltet sich wie ein Schauspiel dem keiner zu entkommen vermag, spannend bis zum Schluss.

Tunnel mit Aussicht von Bernhard Bihler

Die Charaktere werden, wegen ihrer besonderen Fähigkeiten, gebeten an den Untersuchungen der Polizei zu einem äußerst seltsamen Fall teilzunehmen. Treffpunkt ist New Yorks U-Bahnstation Central Station an der vermutlich vier Menschen auf wirklich bizarre Art und Weise ihr Leben lassen mussten. Die vier Personen hatten wohl ein Ritual durchgeführt, welches anscheinend einen anderen Verlauf genommen hatte als sie es wollten. Die Charaktere haben nur wenig Zeit herauszufinden was genau vorgefallen ist, wer die Toten sind und was man machen könnte, bevor das wohl offensichtlich schief gelaufene Ritual sich verselbständigt, worauf sich im Verlauf immer mehr Hinweise ergeben.

Das Abenteuer ist solide aufgebaut und enthält im Groben alle wichtigen Informationen für den Spielleiter, um das Abenteuer spannend zu inszenieren. Der investigative Teil ist gut ausgeprägt und gibt den Spielern alles nötige in die Hand um das Abenteuer zu lösen. Der Spielleiter sollte aber schon auf den Aufbau seiner Gruppe achten, um die Spieler später nicht ins Aus zu treiben. Das Finale gestaltet sich durch seine vielen Facetten sehr spannend und man kann den Spielern hier die Möglichkeit geben gutes Kopfkino zu erleben. Das für den Misserfolg angebotene alternative Ende, kann als Ansatzpunkt für „Der Fluch des schwarzen Mannes“ dienen.

Der Fluch des schwarzen Mannes von Mirko Bader

Durch Zufall treffen sich die Charaktere im Central Park. Während sie sich unterhalten baut ein alter Vagabund sein Geigenequipment auf. Nach einiger Zeit können die Charaktere sich der Musik des Geigers nicht mehr verwehren und lauschen verzückt seinem Spiel, welches nach und nach immer wilder wird. Die Charaktere sehen das etwas nicht stimmt, die Erde beginnt zu beben und Menschen werden verletzt. Nur ein Schwarzer Mann kann durch mutiges Eingreifen Schlimmeres verhindern. Kurz nach seiner Tat ist der obskure Schwarze Mann aus den Augen der Charaktere verschwunden. Die Charaktere sollen nun versuchen mehr über den toten Geiger heraus zu finden und geraten in ein Netz von Protagonisten, welche zusammen ein Geheimnis teilen und die zur Zeit offensichtlich um ihr Leben fürchten.

Das Abenteuer muss meiner Ansicht nach sehr gut vorbereitet werden, um den Charakteren die Möglichkeit zu geben dieses Abenteurer zu meistern. Es ist kein einfaches Abenteuer für den Spielleiter, aber es ist ein spannendes Abenteuer für Spieler und Spielleiter, die es mögen deutlich stärker investigativ vorzugehen als gewöhnlich. Das Netz an Informationen welches hier gestreut wird muss gut miteinander verknüpft werden, um nicht an diesem Abenteuer zu scheitern. Dabei muss gerade der Spielleiter aufpassen keine „wichtige“ Information zu unterschlagen und so die Spieler ins Aus zu treiben. Ein schwieriges und interessantes Abenteuer für den geneigten Spielleiter und passionierte Spieler.

Fazit

Pegasus hat mit dem Quellenbuch wieder ganze Arbeit geleistet, das Hintergrundmaterial ist sehr ausführlich und gibt einem Spielleiter alles an die Hand um New York mit Leben zu füllen und den Spielern den Wahnsinn dieser Stadt begreiflich zu machen. Die ständigen Verknüpfungen zum Mythos sorgen auch dafür, dass man als Spielleiter ständig auf weitere Ideen gebracht wird. So ist es möglich in New York eine Kampagne zu starten oder dort einen finalen Abschluss zu haben. Die Abenteuer sind gut gelungen, sie sind jedoch eher etwas für erfahrene Spielleiter.

Titel: Im Schatten der Wolkenkratzer
Art: Quellen– und Abenteuerbuch für das Cthulhu Rollenspiel
Regeln: Cthulhu – BRP
Sprache: Deutsch
Verlag: Pegasus Spiele Verlags- und Medienvertriebsgesellschaft mbH
Publikationsjahr: 07 / 2010
Autor: Heiko Gill
Übersetzer: Markus WidmerIllustrationen: Manfred Escher, Christian Hanisch, Bettina Scholten
Umfang: 224 Seiten
Bindung: Hardcover
Preis: € 29,95
ISBN: 9783941976054

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