Rezension: BareBones Fantasy RPG
26 Dez 2012

Der Autor

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Wenn ich nicht gerade spiele verunstalte ich Medien. Kommt einem zu Gute bei eigenen Rollenspielen wie Malmsturm oder Projekten wie Ratten!, Savage Worlds Gentlemens Edition, Scion, Sundered Skies und ein paar anderen. An und für sich bin ich der Erzählonkel, daher auch die große liebe zu FATE. Manchmal muss es aber auch ein Burger statt Steak sein und so wird gern und oft auch Savage Worlds oder wenn es klasisch sein soll Pathfinder und Konsorten gespielt. Ich probier gern und oft Systeme aus aber die eigentliche Leidenschaft sind die Hintergrundwelten.

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BareBones RPG cover
Titel: BareBones Fantasy RPG
Art: Rollenspiel-Regelwerk
Sprache: Englisch
Verlag: DWD Studios
Publikationsjahr: 2012
Autor: Larry Moore
Illustrationen: William Stewart, Khairul Hisham, Bill Logan, Larry Moore, Jeremy Whalen
Cover: Eric Quigley
Umfang: 98 Seiten + Karten + Bögen
Bindung: PDF
Preis: 9,99 $
Rezensent: Andreas Melhorn

Die vollmundige Ankündigung des „BareBones Fantasy RPGs“ (im Folgenden BB) beschreibt es als flexibles und einfaches Fantasysystem mit den typischen Rassen, einem einzigartigen Magiesystem mit Zaubersprüchen und einer Menge Spielleiterhilfen, das alles liefert, was eine Spielgruppe benötigt. Mit anderen Worten, es will das bieten, was schon viele Systeme vor ihm versprochen haben, einschließlich Dungeonslayers oder auch Savage Worlds. Als es bei DrivethruRPG auftauchte, sah ich zunächst keinen Grund, ihm einen zweiten Blick zu gönnen. Die Versprechungen sind schon zu häufig gemacht und unzureichend eingehalten worden. In der späteren Zeit las ich aber immer wieder von Leuten, die das Spiel sehr mochten und wurde selbst neugierig. Vielleicht ist das der Beweis, dass virales Marketing funktioniert. So oder so wurde ich nicht enttäuscht.

Das Design von BB liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen „Dungeonslayers“ und „Barbarians of Lemuria“. Wie bei „Barbarians of Lemuria“ werden Archetypen wie Fertigkeiten in verschiedenen Stufen erlernt und gehandhabt. Eine Figur könnte also die Fertigkeiten „Thief“ Stufe 3 und „Cleric“ Stufe 5 haben. Die Stufen erhöhen nicht nur die Chance eine Fertigkeit erfolgreich anzuwenden (ein Kundschafter, der schleicht oder ein Gelehrter, der etwas über die Welt wissen will), sondern haben auch andere Auswirkungen. So kann ein Magier beispielsweise einen bzw. zwei Zaubersprüche pro Stufe erlernen. Gewürfelt wird generell mit 10-seitigen Würfeln, Proben erfolgen auf dem Prinzip von Prozentwürfen. Die Chance, eine Fertigkeit erfolgreich anzuwenden. errechnet sich aus einer der Grundeigenschaften (z. B. Geschick bei „Dieb“) und der Stufe der jeweiligen Fertigkeit. Auf einfache Weise ermöglich BB so, verschiedenste Charaktere zu spielen, indem der Spieler unterschiedliche Fertigkeiten miteinander kombiniert. Den oben erwähnten Diebeskleriker stelle ich mir beispielsweise recht interessant vor. Für Leute, die Dungeonslayers mit seinen fünf Charaktertypen als zu eingeschränkt und Barbarians of Lemuria als zu frei und zu wenig geregelt empfinden ist das ein schöner Mittelweg.

Der Kampf funktioniert wie erwartet: Es gibt Angriffs- und Verteidigungswerte, und wird eine Figur getroffen, erhält sie Schaden, der von einem Wert mit dem Namen „Body Points“ abgezogen wird. Zauberei ist auch sehr einfach, denn es gibt die überschaubare Anzahl von 17 Zaubersprüchen, die von Klerikern und Zauberwirkern erlernt werden können. Die Zauber sind allgemein gehalten (z. B. Telekinese oder Offensivschlag) und decken mit dieser kleinen Liste so ziemlich alles ab, was ein Zauberer normalerweise können will.

Der Spielleiterteil ist so übersichtlich und gut organisiert wie der Rest des Buches. Die beiden Listen mit Monstern und magischen Gegenständen sind für ein Rollenspiel dieser Größe erstaunlich lang. Herausragend ist ein relativ langes Kapitel über die Erstellung von Abenteuern, das hauptsächlich aus Tabellen besteht, die ein schönes Skelett liefern, das der SL anschließend mit Fleisch versieht. Es erinnert stark an die Abenteuergeneratoren aus Savage-Worlds-Büchern. Schön ist auch der Dungeongenerator, bei dem mit Hilfe einer einfachen Tabelle das Layout des Dungeons erwürfelt werden kann, um es anschließend zu füllen.

Schluss des Buches ist die grobe Beschreibung des Keranak-Königreichs: eine Seite Geschichte, eine doppelseitige Karte und vier Seiten mit Erklärungen zu den Namen auf der Karte, jeweils nur zwei bis sechs Zeilen lang. Das ist genug, um erst einmal loszuspielen, wer aber seine Welt nicht selbst erschaffen will, benötigt mehr. Eine detailiertere Beschreibung des Königreichs wird bereits als PDF angeboten.

Zusätzlich zum Regelwerk ist dem Download das Abenteuer „Maidens of Moordoth“ beigefügt. Es ist ein kurzes Old-School-Abenteuer mit einem witzigen Hintergrund, der Dungeon, in dem der Hauptteil des Abenteuers spielt, ist allerdings etwas fade. Als Einführung in das System ist es aber gut zu gebrauchen und sollte Spaß machen. Die Dungeonkarte gibt es auch in einer Spielerversion, in der allerdings etwas eingezeichnet ist, das die Spieler nicht sehen dürfen, und somit als Handout erst dann zu gebrauchen, wenn sie es entdeckt haben.

Das Cover ist sehr gelungen, und auch das Layout ist hübsch und übersichtlich und die Innenillustrationen sind überdurchschnittlich gut. Das Format ist für Tablet-PCs optimiert. Beeindruckend ist auch die Anzahl an Files, die nach Bezahlen freigeschaltet werden: druckerfreundliche Versionen, das Abenteuer in separater Datei, diverse Bögen und sogar eine Weltkarte mit und ohne Hexfelder. Das Regelwerk hat 84 Seiten, das Abenteuer 16. Der Preis von 9,99$ ist für die gelieferte Menge an Text im oberen Durchschnitt vieler professioneller Produkte, aber nicht zu teuer, wenn man die Qualität von Inhalt und Aussehen bedenkt.

Es ist schade, dass „BareBones“ droht in der Masse der generischen Fantasy-Rollenspiele unterzugehen, die versprechen einfach und trotzdem flexibel zu sein. Es trifft für mich den optimalen Punkt zwischen Einfachheit und Detail. Es liefert klassische Regeln mit bekannten Elementen wie Charakterklassen, Lebenspunkten, Angriffen, Paraden und Zaubersprüchen arbeiten, zeigt aber gerade genug Innovation, um interessant zu sein. Es ist außerdem so einfach, dass es auch der zeitlich eingeschränkte Erwachsene neu erlernen und spielen kann, ohne allzu viel seiner kostbaren Freizeit einzubüßen. Wer auf der Suche nach etwas in dieser Art ist, sollte es sich ansehen.

5 Comments
4 Kommentare
  1. Klingt durchaus probespielenswert!

  2. Klingt insgesamt probespielenswert!

  3. Kann den Eindruck des Rezensenten nur bestätigen – ich war ebenfalls anfänglich skeptisch, habe mir nach Feedback anderer Käufer aber BB ebenfalls zugelegt und wurde sehr angenehm überrascht.

  4. Ich habe mir das Barebones Fantasy Regelsystem nach dem großen Hype, der darum gemacht wird, jetzt einmal sehr genau angeschaut.

    Es ist eine „Light-Fassung“ des alten Star-Frontiers-Regelsystems.

    Und es weist eine solche UNMENGE an Lücken, unklaren Regelformulierungen, und undurchdachten Regeln auf, daß ich mich wirklich wundere, wie diese ganzen euphorischen „Rezensionen“ zustanden gekommen sein mögen.

    Vor allem haben es die Entwickler geschafft, so gut wie alle Macken des 1982 erschienenen Star-Frontiers-Regelsystems unverändert zu übernehmen oder gar noch zu verschlimmbessern, ohne auch nur einen Hauch moderner, zeitgemäßer Spielgestaltung einfließen zu lassen. – Und das fängt von der Organisation des Textes an und zieht sich durch alle Elemente dieser Grundregeln durch.

    Was ich besonders abstoßend finde, ist das ständige Zelebrieren der „Goldenen Regel“, der Auffoderung des Spielleiters seine Spieler „nach Gutsherrenart“ zu gängeln oder schlichtweg zu bescheißen. – Auch das ist heutzutage glücklicherweise in einem WOHLDURCHDACHTEN Regelsystem nicht mehr üblich (und „nötig“ war es eh noch nie – sondern dann wäre ein Systemwechsel nötig gewesen).

    Insgesamt macht Barebones Fantasy einen durchweg altbackenen, desorganisierten und schlecht durchdachten Eindruck und verströmt den Mief der Achtziger, ohne den Charme anderer Old-School-Renaissance-Regelsysteme auszustrahlen.

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