Rezension Artefakt #23
27 Jun 2009

Der Autor

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Wenn ich nicht gerade spiele verunstalte ich Medien. Kommt einem zu Gute bei eigenen Rollenspielen wie Malmsturm oder Projekten wie Ratten!, Savage Worlds Gentlemens Edition, Scion, Sundered Skies und ein paar anderen. An und für sich bin ich der Erzählonkel, daher auch die große liebe zu FATE. Manchmal muss es aber auch ein Burger statt Steak sein und so wird gern und oft auch Savage Worlds oder wenn es klasisch sein soll Pathfinder und Konsorten gespielt. Ich probier gern und oft Systeme aus aber die eigentliche Leidenschaft sind die Hintergrundwelten.

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Fanzine

Artefakt – auf zu neuen Ufern

In einem Fanzine Fanzines zu rezensieren, die Rezensionen über Fanzines beinhalten macht mich nervös. Man kommt sich dabei vor als hätte man sich auf dem Jahrmarkt im Spiegellabyrinth verirrt. Das gleich der erste Artikel in der Artefakt #23 die aktuelle Ausgabe von Cthuloide Welten zum Thema hat, sorgte bei mir entsprechend nicht nur des Inhalts wegen für eine lovecraftianische Stimmung. Davon abgesehen sind gerade die Rezensionen dieser Ausgabe sehr informativ, zumal neben Rollenspielen auch eine Erscheinung zu Warhammer Tabletop, je eine CD und DVD und mehrere Comic-Klassiker besprochen werden.

Optisch wie inhaltlich fällt auf, dass das Magazin sich im Umbruch befindet. Das Layout wird derzeit laut Vorwort gerade umgestellt, was die teilweise fehlende Übersichtlichkeit erklärt. So steht beispielsweise die Rezension zu Serenity RPG auf Seite 7 während das dazugehörige Abenteuer zwölf Seiten weiter zwischen einem Szenario für Deadlands und einem Szenario für Cthulu-Tech besprochen wird. Gelegentlich sind die Überschriften am linken Seitenrand um 90° gegen den Uhrzeigersinn gedreht angebracht, was cool aussehen könnte, wenn die Buchstaben dabei nicht teilweise der Schneidemaschine zum Opfer gefallen wären. Das Cover der Schwarz-Weiß Publikation schließlich, ziert eine Bleistiftzeichnung zu oben erwähntem Deadlands-Szenario, die im Inneren des Heftes wahrscheinlich größere Wirkung entfaltet hätte. Erfreulich hingegen ist, dass die Artefakt fast keine Werbung enthält. So bekommt man für seine 4 Euro satte 55 Seiten randvoll mit redaktionellem Inhalt.

Dieser wiederum leidet leider derzeit darunter, dass Chefredakteur Christoph Schubert aufgrund von Prüfungsstress die Anzahl seiner Beiträge zurückfahren musste. Die Artikel, welche er dennoch schreibt, bilden allerdings neben dem sehr schönen Interview mit Cthulu Chefredakteur Frank Heller die Highlights des Heftes. Besonders schön zu lesen sind die Comicrezensionen, auch wenn es sich dabei nicht um Neuerscheinungen handelt. Gerade der Beitrag zu Sin City dürfte einigen Filmfans den Weg zur Comicvorlage weisen. Die Musikrezension hingegen ist ausbaufähig. Eine ausführliche Beschreibung jedes einzelnen Stückes spart sich der Autor vermutlich zu recht, allerdings hätten mich ein paar allgemeine Informationen schon interessiert: Welche Instrumentation haben die Stücke? Sind auf den CDs nur Instrumentalwerke enthalten, oder ist auch Gesang zu hören? Kann man die Musik einer Stilrichtung zuordnen?

Der umfangreiche Abenteuerteil kann leider auch nur in Maßen überzeugen. Die Beiträge für Deadlands und Kult beispielsweise warten zwar mit splatterfilmartigem Blutvergießen auf, erschöpfen sich aber leider zu oft darin. Gerade bei letzterem Abenteuer bleibt der Eindruck extremer Linearität. Ein Horrorrollenspiel wie Kult lebt sicher zum Teil davon, dass die Spielercharaktere sich dem Unfassbaren hilflos ausgeliefert sehen. Wenn jedoch immer nur Träume benutzt werden, in denen die Spieler fast nichts machen können und in den Spielleiterhinweisen so gut wie alle Handlungsalternativen ausgeschlossen werden, lohnt es vielleicht mehr das Ganze als gelungene Kurzgeschichte zu lesen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die #23 sicher nicht die gelungenste Ausgabe der Artefakt ist. Positiv bleibt festzuhalten, dass im gegenwärtigen Umbruch auch neue Talente heranwachsen können. Wenn eine größere Zahl von Autoren sich engagiert, um den Wegfall einer tragenden Säule Auszugleichen, kann das langfristig für die Qualität des Blattes durchaus von Vorteil sein. Ich persönlich freue mich schon sehr das Ergebnis dieses Prozesses zu begutachten.

Inhalt

  • Rezensionen
  • „Der letzte Krieg“ – CthulhuTech-Systemvorstellung
  • „Aus der Tiefe“ – Science Fiction-Szenarioanregung
  • „Blood Red Mountain: Rise Of Evil“ – Deadlands-Szenario
  • „Teke-li-li“ – CthulhuTech-Szenarioanregungen
  • „Die letzten Tage von Eden“ – Kult-Abenteuer
  • „Rollenspieler unter der Lupe“ – Erlebnisbericht
  • „Kunst in kleinen Kisten“ – Teil 1
  • „Cthulhu ist nicht die Lizenz zum Gelddrucken“ – Interview mit Frank Heller
  • „Jetzt wird’s wild“ – Systemvorstellung Savage Worlds
  • „Mord beim Mondfest“ – Cthulhu-Live-Nachbericht
  • „Into the Game“ – Rollenspielmusik
  • „Die Dame des Frostes“ – Kurzgeschichte

Artefakt #23
Fanzine für diverse Rollenspiel-Systeme
Christoph Schubert (Chefredakteur)
Förderkreis innovatives Spiel e.V. (fis) 2009
56 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 4,00

Rezensent: Simon Knox
Links:

3 Comments
2 Kommentare
  1. Seit wann ist die Cthuloide Welten ein Fanzine? Das war Ausgabe #1 nicht und das sind jetztige Ausgaben erst recht nicht… Ansonsten ist es natürlich fein, hierFanzines zu rezensieren.

  2. Ich sach doch ich komm durcheinander 😉

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