Rezension Abenteuer #2
01 Aug 2009

Der Autor

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Wenn ich nicht gerade spiele verunstalte ich Medien. Kommt einem zu Gute bei eigenen Rollenspielen wie Malmsturm oder Projekten wie Ratten!, Savage Worlds Gentlemens Edition, Scion, Sundered Skies und ein paar anderen. An und für sich bin ich der Erzählonkel, daher auch die große liebe zu FATE. Manchmal muss es aber auch ein Burger statt Steak sein und so wird gern und oft auch Savage Worlds oder wenn es klasisch sein soll Pathfinder und Konsorten gespielt. Ich probier gern und oft Systeme aus aber die eigentliche Leidenschaft sind die Hintergrundwelten.

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Abenteuer – klein aber oho!

Ein Fanzine mit nach dem Peer-Review Verfahren ausgewählten Artikeln? Das klingt interessant und Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Jeweils zwei Freiwillige nehmen sich hier einen ausgewählten Artikel vor und müssen ihn absegnen, bevor er veröffentlicht werden kann. Normalerweise wird diese Methode bei wissenschaftlichen Fachblättern verwendet, doch Abenteuer beweist, dass sich dadurch auch die Qualität von Spielhilfen in Fanzines steigern lässt. Das Magazin lässt allerdings anders als üblich auch Personen aus dem nahen Umfeld der Autoren als Peers zu, was den positiven Effekt etwas mindert. So lässt sich z.B. durch einen Fremden viel besser beurteilen, ob ein Abenteuer für Außen stehende verständlich beschrieben wurde, als durch jemanden, der es bereits gespielt hat.

Auf den ersten Blick wirkt die Abenteuer eher unscheinbar bis Oldschool. Hinter dem farbigen A5-Cover verbergen sich 86 komplett werbefreie Seiten, ohne Schnickschnack. Selbst die Illustrationen dienen größtenteils zum Verständnis der Artikel. Sehr nützlich beim Durchblättern ist, dass die System- bzw. Genrebezeichnungen am unteren Seitenrand angegeben sind. Letztere reichen dabei von Fantasy über Western bis Science Fiction. Da die Beiträge sehr unterschiedlich sind, handele ich sie im Folgenden kurz einzeln ab:

Die Gefiederte Kralle
Diese Beschreibung eines Schiffes für Traveller liest sich sehr schlüssig. Die Pläne wirken übersichtlich und allein schon durch die Informationen zur Einrichtung bekommt man einen Eindruck davon, welche Leute sich auf dem Schiff normalerweise aufhalten und in welche Art von Schwierigkeiten sie geraten werden. Genau richtig um zahlreiche Anregungen für Abenteuer zu erhalten.

Der Vergessene Tempel des Thaxon
Ein Standard Dungeon Crawl für Labyrinth Lord. Da die beschriebenen Monster und Artefakte Gegenstücke in den meisten Systemen haben, sollte eine Adaption jedoch unproblematisch sein. Extremer Tiefgang und Charaktererkundung warten hier vermutlich nicht auf die Spieler, dafür kann man das Abenteuer einfach nehmen, loshacken und glücklich sein.

Trolle auf der Wetterspitze
Legends of Middle Earth kannte ich bisher nicht, aber dieses Abenteuer hat erfolgreich meine Neugier auf dieses System geweckt. Tolkien Puristen werden vielleicht Anstoß an der mangelnden Werktreue nehmen, aber für mich war es eine aufregende und unterhaltsame Art, die Gegend zwischen Bree und der Wetterspitze zu erkunden. Das Abenteuer verspricht auf jeden Fall eine ausgeglichene Mischung aus Kampf, Strategie und Rätsel.

Aventurischer Seehandel
Diese Spielhilfe repräsentiert alles, was ich an DSA nicht verstehe: Irre detaillierte Regeln für Dinge, von denen ich im Traum nicht gedacht hätte dass sie für ein Abenteuer mal relevant werden könnten. Die Aufbereitung sieht aber sehr ansprechend aus. Ausführliche Tabellen, Beispiele und ein Handelsformular als Download sollten das Herz jedes DSA-Fans höher schlagen lassen.

Little Rapids 1878
Dieses Western-Szenario beschreibt eine Kleinstadt in Dakota, inklusive Umland und einem dichten Beziehungsnetz an NSC. Vom Indianerhäuptling bis zum Leichenbestatter hat jeder mit irgendwem ein Hühnchen zu rupfen. Für reichlich Konfliktpotential ist also gesorgt. Sehr nützlich sind auch die Plot-Ideen, sowie die Anleitungen zur Adaption an verschiedene Subgenres wie Italo-Western oder Weird-West à la Deadlands. Mein persönliches Highlight des Heftes.

Allsegegeln für Anfänger
Dieser Beitrag liefert spannendes, an Spelljammer angelehntes Fantasy Setting. Leider gerät das Abenteuer dazu streckenweise eher zur Nacherzählung einer Rollenspielrunde. Die Beschreibungen von Orten und Personen hätten übersichtlicher sortiert werden können. Im Fließtext sind wichtige Passagen schwer wiederzufinden und gelegentliche Schreibfehler erschweren das Verständnis zusätzlich. Zum Lesen sehr interessant, zum schnellen Nachspielen eher ungeeignet.

Der Orden des Heiligen Besitzes
den Abschluss bildet eine Fantasy-Satire, die gut auf Pratchetts Scheibenwelt passen würde, aber für Jede Runde deren Teilnehmer ein Augenzwinkern vertragen können in Frage kommt. Die Grundidee ist sehr Originell. Nach der Einleitung besteht der Großteil des Abenteuers allerdings darin sich durch ein Dungeon zu prügeln und Monstern, sowie lustigen NSC zu begegnen. Wer zwischen den Kämpfen gerne mal zu Späßen aufgelegt ist, wird hier glücklich.

Insgesamt ist die Abenteuer definitiv ein Fanzine, dass die Welt braucht. Allein aus den unterschiedlichen Arten der Aufbereitung kann der Leser viel Inspiration für seinen eigenen Spielstil ziehen. Die Inhalte sind zum Großteil richtig gut und so breit gefächert, dass für jeden etwas dabei ist. Das Prinzip der Peer-Review könnte meiner Meinung nach allerdings noch konsequenter angewandt werden. Man merkt einigen Artikeln an, dass sie lediglich von Freunden der Autoren bewertet wurden. Trotzdem: Kaufen!

Inhalt:
Die Gefiederte Kralle
Der Vergessene Tempel des Thaxon
Trolle auf der Wetterspitze
Aventurischer Seehandel
Little Rapids 1878
Allsegeln für Anfänger
Der Orden des Heiligen Besitzes

Abenteuer #2
Fanzine für diverse Rollenspielsysteme
Harald Wagener (Herausgeber)
86 S. Softcover, deutsch
Preis: EUR 4,00

Rezensent: Simon Knox

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1 Comment
1 Kommentare
  1. Was soll ich denn von einer Rezi halten die konstant den Namen der Publikation falsch schreibt? Und dann auch noch so Brüller der Kommentar zu „Trolle auf der Wetterspitze“.

    So lustig wie sich das gerade von mir anhört, aber da wünsche ich mir doch das Abgeschreibe von Verlagsverlautbarungen zurück!

    Ciao,

    Martin

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