Unknown Armies Schnellschüsse Rezension
17 Sep 2007

Der Autor

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Wenn ich nicht gerade spiele verunstalte ich Medien. Kommt einem zu Gute bei eigenen Rollenspielen wie Malmsturm oder Projekten wie Ratten!, Savage Worlds Gentlemens Edition, Scion, Sundered Skies und ein paar anderen. An und für sich bin ich der Erzählonkel, daher auch die große liebe zu FATE. Manchmal muss es aber auch ein Burger statt Steak sein und so wird gern und oft auch Savage Worlds oder wenn es klasisch sein soll Pathfinder und Konsorten gespielt. Ich probier gern und oft Systeme aus aber die eigentliche Leidenschaft sind die Hintergrundwelten.

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Rezension der Schnellschüsse

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ch darf Ihn ja nicht lesen! Die Rede ist vom Szenarienband „Schnellschüsse“ des Vortex Verlages zum Rollenspiel Unknown Armies. Der Grund: Unknown Armies will von mir erspielt werden! Raunt zumindest das Regelwerk mir zu. Dafür hat sich meine UA Spielleiterin Katharina aber freudig entschlossen den vorliegenden Band zu rezensieren. Von daher, Feuer frei!

Schnellschüsse ist ein Szenarienband zu Unknown Armies. Das 130-seitige, Softcover-Buch bietet 5 „Abenteuer“ aus unterschiedlichen Genre inklusive vorgefertigter Charaktere und Handouts. Erschienen ist „Schnellschüsse“ im Jahr 2007 im Vortex-Verlag.
Das Innovative an diesem Band soll sein, dass die Texte und somit der Ablauf des Geschehens des jeweiligen Szenarios schnell erfasst werden können und man zum Spielen nur wenig Vorbereitungszeit benötigt.
Doch sind die Szenarien wirklich so unterschiedlich und einfach und schnell vorzubereiten? Und welchen Gesamteindruck macht das Buch? Dies werde ich im Laufe meines Textes analysieren, indem ich zuerst auf das Buch im Allgemeinen eingehe und dann die einzelnen Szenarien unter die Lupe nehme.

Das Cover der „Schnellschüsse“ ist wie schon das Grundregelwerk in sehr dunklen Farben, überwiegend schwarz, gehalten. Es zeigt einen sehr verwirrt und angespannt wirkenden Mann der zwei Waffen in den Händen hält. Somit spiegelt sich der Titel „Schnellschüsse“ schon dort wieder.
Der Band ist gut verarbeitet und sehr übersichtlich gegliedert. Es ist in 5 Kapitel unterteilt. Jedes Szenario hat sein eigenes Kapitel. Sie sind durch Kapitelillustrationen, die eine Szene aus dem jeweiligen Abenteuer zeigen, deutlich voneinander abgehoben.
Das Inhaltsverzeichnis ist knapp gehalten, aber vollkommen ausreichend, um sich zurecht zu finden.
Wie schon die Illustration des Covers sind alle Weiteren ebenfalls dunkel gehalten. Allerdings bestehen sie nur aus Grautönen. Anders als das Cover, dass noch rote Akzente enthält. Die Illustrationen wirken sehr plastisch und lebendig, aber auch, die Stimmung von UA einfangend, mystisch und böse.
Passend zum Grundregelwerk werden hier auch verschiedene Zitate genutzt, die die Kapitel einleiten.
Der Schreibstil ist alltagssprachlich, und somit für jeden gut verständlich. Wie es sich für ein Rollenspiel gehört, beschreibt der Autor sehr detalliert. Auch werden die Leser oft direkt angesprochen, was eine persönliche Beziehung aufbaut und so den Spaß am Lesen fördert.

Nun komme ich zu den einzelnen Szenarien.
„Der Ausbruch“ ist ein Geiseldrama mit mysteriösen Zwischenfällen. Die Hintergründe sind spannend und gut ausgearbeitet. Auch die Charaktere sind sehr unterschiedlich mit irren Geschichten. Der schnelle Einstieg wird durch ein „Instant-Intro“ gewährleistet. Zudem lässt sich dieses Szenario auch als LARP verwirklichen.

Ein Regen aus gekochtem Lachs zieht in „Interessante Zeiten“ die Aufmerksamkeit vieler merkwürdiger Gestalten auf ein kleines Fischerdorf. Hier gibt es die Möglichkeit verschiedene Spielvarianten zu wählen, um das Spiel auf die eigene Gruppe anzupassen, womit die Autoren sehr viel Flexibilität beweisen. Ebenfalls weist der Autor auf einige Schwierigkeiten dieses Szenarios hin, was seine Bemühungen deutlich macht, den einzelnen Gruppen vor allem Spaß zu bereiten. Auch dieses Abenteuer ist gut ausgearbeitet und ermöglicht den schnellen Beginn durch eine „Schnellstartanleitung“. Eine Tabelle mit NPC-Informationen ist hierbei ebenfalls eine Hilfe. Die Charaktere hierbei sind nur skizzenhaft beschrieben, da die Persönlichkeiten nicht ausschlaggebend für das Szenario sind und die Spieler hier gern selbst tätig werden können.

„Freud und Leid“ setzt sich sehr intensiv mit der Gefühlswelt der Charaktere auseinander und stellt diese vor eine weitreichende Entscheidung.
Der Hintergrund ist wahnsinnig gut ausgearbeitet und wie eine Legende oder ähnliches aufgemacht und lässt sich deshalb besonders gut lesen. Schwierigkeiten könnten hierbei darin bestehen, dass sehr viel Eigeninitiative der Spieler gefordert ist, was diesem Szenario aber seinen besonderen Charme gibt und dass der Spielleiter Langeweile bei gerade nicht aktiven Spielern verhindern muss, was eine Herausforderung darstellt und etwas Erfahrung voraussetzt. Eine Besonderheit bei diesem Abenteuer ist, dass in Echtzeit gespielt wird, da die Spieler ein Aufgabe erhalten. Somit eignet „Freud und Leid“ sich vermutlich auch besser für erfahrenere Spieler. Auch hier gibt es wieder sehr unterschiedliche Charaktere, obwohl man doch immer einen bestimmten Archetypen, wie z.B. die Mutter, die ihr Kind beschützen will, wiederfinden kann. Aber es lassen sich wieder neue, spannende Charakterideen finden.

„Gen Himmel“ ist ganz im Sinne der Macher ein actiongeladenes Szenario über den Wolken, was sehr mystisch und abgedreht werden kann, wenn die Spieler nicht zu schnell sind. Dann kommen sehr schöne Symboliken ins Spiel und es entsteht eine spannende und knifflige Atmosphäre. Die einzige Schwierigkeit ergibt sich hierbei, dass der Spielleiter sehr darauf achten muss, dass das Abenteuer nicht schon endet, bevor es richtig losgeht. „Gen Himmel“ kann auch in eine Kampagne eingebaut werden und gibt dem Spielleiter wieder neue Möglichkeiten.

„Und leise wächst das Gras“ ist ein Horrorszenario, um das Ende der Menschheit. Der Autor bietet verschiedene Auswahlmöglichkeiten für die Besetzung des Gegenspielers an, was dem Spielleiter die Möglichkeit gibt, dass Szenario seinem Geschmack anzupassen. Die Schwierigkeit besteht hierbei darin, dass der Spielleiter durchweg eine angespannte, gruselige Stimmung erzeugen muss. Desweiteren ist die Situationsbeschreibung ein wenig dürftig, sodass der Spielleiter viel drumherum erfinden muss. Es ist somit ebenfalls eher für erfahrenere Leiter geeignet.

Zusammenfassend kann man sagen, dass „Schnellschüsse“ ein Must-Have für UA- Begeisterte ist. Die Szenarien sind toll ausgearbeitet, sehr abwechlungsreich, lassen den Spielern große Handlungsspielräume und bieten sehr viel Raum für spannende Interaktionen.
Allerdings empfinde ich es, als „Spielleiterjungfrau“ als sehr schwierig, den roten Faden zu behalten, da Spielleiterinformationen und Spielerinformationen größtenteils vermischt sind. Somit wird es schon ein wenig Zeit für die Vorbereitung bedürfen. Doch die Autoren sagen ja selbst, dass es nicht mit einmal lesen getan ist. Aber die zwischendurch eingebauten kleinen Extras, wie Tabellen oder Tipps erleichtern das Spiel.
Zudem müssen natürlich die allgemeinen UA-Regeln bekannt sein, um mit „Schnellschüsse“ loszulegen.

Unknown Armies ist unerklärbar und dadurch so wahnsinnig interessant und vielseitig. Dieses Buch erleuchtet unseren Weg in Richtung Erkenntnis wieder um einen Schritt und um es mit den Worten des Galileo Galilei zu sagen: „Unsere Unwissenheit ist unendlich, tragen wir einen Kubikmillimeter ab!“

Unknown Armies Schnellschüsse
Abenteuerband Softcover
April 2007
Vortex Verlag
Rollenspiel
128 Seiten, Softcover
22,95 EUR

Katharina Müller 17.09.2007

1 Comment
1 Kommentare
  1. Herzlichen Dank für die Rezension! Gut geschrieben, ohne zuviel Preis zu geben 🙂 Nun hab ich eine gaaaanz vage Ahnung, was mich einmal erwarten könnte. Macht Lust auf mehr!

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