Rezension: Himmel über Aachen
07 Nov 2010

Der Autor

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Wenn ich nicht gerade spiele verunstalte ich Medien. Kommt einem zu Gute bei eigenen Rollenspielen wie Malmsturm oder Projekten wie Ratten!, Savage Worlds Gentlemens Edition, Scion, Sundered Skies und ein paar anderen. An und für sich bin ich der Erzählonkel, daher auch die große liebe zu FATE. Manchmal muss es aber auch ein Burger statt Steak sein und so wird gern und oft auch Savage Worlds oder wenn es klasisch sein soll Pathfinder und Konsorten gespielt. Ich probier gern und oft Systeme aus aber die eigentliche Leidenschaft sind die Hintergrundwelten.

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Abenteuerband

Wow, wer das Rollenspiel Engel mag sollte sich schnellstmöglich diese Kampagne besorgen. Selbst Besitzer der Himmel über Aachen Kampagne die in den Mephisto Ausgaben enthalten ist sollten sich den Kauf überlegen. Glänzt dieses schicke Hardcover doch mit tollem Coverbild und einer stimmungsvoller Karte auf dem Schmutztitel, aus den Händen von Tobias Mannewitz. Nicht wie üblich im typischen Magazin Layout gelayoutet kommt der 98seitige Harcoverband im gewohnten Engel Look daher, und hat sogar ein rotes Kapitalband. Einzig das Fehlen der Engelfont, welche bei mir damals für Aufsehen sorgte fehlt. Das machen dafür wieder zusätzliche Illustrationen von Jenny Dolfen, Luisa Preißler, Klaus Scherwinski, Lydia Schuchmann, Eva Wiedermann wieder wett. Außerdem kolorierte Flavio Boll eine Illustration aus der Hand von Eva Wiedermann die sich auf dem Rücken des Buches befindet. Optisch ein mehr als ansprechendes Buch.

Was in den Ausgaben der Mephisto 19,20,23 mit der Hintergundbeschreibung begann und in den Ausgaben 24,25,26 vollendet wurde findet sich hier also vereint.
Im Zuge der Weiterentwicklung der Hintergrundwelt von Feder und Schwert wurde so auch der Inhalt der Kampagne angepasst. Die Zeitlinie der Magazinausgabe wurde nun an die der offiziellen Kampagnenwelt ebenso angepasst wie machtvolle Personen die erst mit erscheinen des ein oder anderen offiziellen Quellenbuches genauer beschrieben wurden.

Es ist immer Schwierig ein Abenteuer zu Rezensieren. Spoilern darf man nicht und so bleibt meist nur ein subjektiver Eindruck des Abenteuerverlaufs. Der Krieg der Engelsorden gegen den Herrn der Fliegen scheint dem letzten Gefecht entgegen zueilen. Doch auch die Menschen kämpfen gegeneinander. Inmitten dieser Stellung: Aachen – ein Schlachtfeld auf dem die Angeliten, die Diadochen und die Traumsaat um den Sieg ringen. Handwerklich betrachtet stimmt mit dem Abenteuer so ziemlich alles. Björn Lippold Autor der Kampagne versteht seinen Job. Nicht verwunderlich so ist der gute kein Unbeschriebenes Blatt hat er doch schon für Shadowrun geschrieben. Die Hintergundtexte sind stimmungsvoll und kurzweilig geschrieben und deuten auf ziemlich viel Sauerei in den Mauern Aachens hin. Himmel über Aachen ist also eine Kampagne die epische Machenschaften um Aachen einleitet.

Das richtig, richtig tolle an dieser Kampagne ist die Art und Weise wie man diese Kampagne spielen kann. Engel können in einer Stadt nicht überall hin. Menschen wiederum können sich nicht in eine Schlacht epischen Ausmaßes schmeißen und auch nicht mit jedem in der Kirche reden.

Troupe-Style nennt sich die Form die diesem Abenteuer zu Grunde liegt und sollte z.B. Ars Magica Spielern bekannt sein. Hinter dem Troupe-Style versteckt sich ein einfaches aber sehr wirkungsvolles Konzept:
Die Spieler schlüpfen in die Haut mehrerer Charaktere umso an diversen Schauplätzen, manchmal sogar Zeitgleich bestimmte Situationen zu erleben bzw. an zu agieren. Daraus entwickelt sich für den Spieler eine Übergeordnete Sicht die letzend Endes strikte Trennung von Spielerwissen und Charakterwissen fordert dafür den Spieler aber mit schon fast spielleiterischer Sicht auf das Abenteuer blicken lässt. Das schöne ist das man auf diese Weise einfach das gesamte Ausmaß eines Abenteuer erlebt und auch Szenen mitbekommt die normalerweise abseits der Charaktere Ereignisse anstoßen. Auch für Spielleiter dürfte dies eine vielleicht neue Herangehensweise bedeutet. Oftmals gehen Ereignisse und Motivationen von Nichtspielercharakteren im Spielverlauf verloren oder werden nicht würdigend wahrgenommen. Mit dem Konzept des Troupe-Style hingegen bekommen Spieler viel mehr Einsicht in das was dort passiert ein viel dichteres Spielerlebniss wird geschaffen.

Als Einführungskampagne angelegt könnte ich mir dieses Abenteuer auch hervorragend vorstellen. Man führt die Spieler in die Welt von Engel ein mit normalen Charakteren im Dienste der Mater Eclesia und lässt die Spieler die Welt aus den Augen des gemeinen Volkes erleben um dann in die Rolle von Engeln zu schlüpfen und langsam hinter den epischen Metaplot der Welt zu Blicken. Nach der Kampagne kann man natürlich einfach so weiterspielen und in der Welt von Engel einmal in die eine Rolle schlüpfen und einmal in die andere. Eine Welt, unterschiedliche Probleme, unterschiedliche Gefahren.

Wie man merkt bin ich sehr angetan von der Idee und den Möglichkeiten die sich daraus ergeben.

Fazit:
Ich kann jedem Engel interessiertem diese Kampagne nur ans Herz legen. Preis Leistung stimmen mehr als überein und als ein Fanprodukt mit offiziellem Segen des Verlages kann man nur sagen das der Verlag selber wohl keine bessere Kampagne hätte schreiben können! Tolles Konzept, stimmungsvolles Abenteuer das auch spielbar ist wenn die Spieler sich entscheiden nur wahlweise die Rolle der Engel oder die der Bediensteten der Kirche zu übernehmen.

Titel: Himmel über Aachen
Art: Abenteuer-Kampagne
Regeln: Arcana/D20
Sprache: Deutsch
Verlag: Martin Ellermeier
Publikationsjahr: 2010
Autor: JBjörn Lippold
Illustrationen: Flavio Bolla, Jenny Dolfen, Tobias Mannewitz, Luisa Preißler, Klaus Scherwinski, Lydia Schuchmann, Eva Wiedermann
Umfang: 96 Seiten
Bindung: Harcover mit Kapitalband
Preis: 18,90 €
Rezensent: Dominik Dießlin
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