Rezension: Cthulhu – Wien – Dekadenz & Verfall
19 Mrz 2011

Der Autor

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Wenn ich nicht gerade spiele verunstalte ich Medien. Kommt einem zu Gute bei eigenen Rollenspielen wie Malmsturm oder Projekten wie Ratten!, Savage Worlds Gentlemens Edition, Scion, Sundered Skies und ein paar anderen. An und für sich bin ich der Erzählonkel, daher auch die große liebe zu FATE. Manchmal muss es aber auch ein Burger statt Steak sein und so wird gern und oft auch Savage Worlds oder wenn es klasisch sein soll Pathfinder und Konsorten gespielt. Ich probier gern und oft Systeme aus aber die eigentliche Leidenschaft sind die Hintergrundwelten.

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Lovecrafts Geschichten über die Großen Alten spielen zum großen Teil in Amerika oder in ganz anderen Sphären. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass die meisten Quellenbücher für Call of Cthulhu von Chaoisum Inc. auch dort spielen und nur wenig über Europa und den Rest der Welt veröffentlicht wird. Es ist aber auch nicht verwunderlich, dass die Pegasus Spiele GmbH mit der deutschen Cthulhu-Ausgabe, den Spielern auch europäische und vor allen Dingen Städte in denen Deutsch gesprochen wird anbieten will. Es gab einige alte Publikationen zu Deutschland, die aber mittlerweile Vergriffen sind, und so musste etwas Neues her.

Nachdem Pegasus mit London – Im Nebel der Themse bereits ein eigenes Produkt veröffentlicht hat, folgt jetzt Wien – Dekadenz & Verfall. Während für London als Metropole und wichtigste Stadt der 1920er Jahre ein eigenes Buch ohne Frage ein eigenes Buch verdient, muss man für Wien schon etwas genauer hinschauen, um Gründe dafür zu finden. Ein kurzer Blick genügt aber bereits. Zum Einen sind es die deutschsprachigen Spieler, die mit Wien eine Stadt vorfinden, die sie kennen und vielleicht sogar schon besucht haben, zum Anderen ist da die über zweitausendjährige Geschichte Wiens und die vielen Möglichkeiten, die diese und die Stadt selbst für den Mythos bietet. Genau diese Erklärung gibt im Vorwort auch die Cthulhu-Redaktion in Person Jan Christoph Steines’.

Mit diesem Vorwort beginnt auch Wien – Dekadenz & Verfall, bevor das in fünf Kapitel unterteilte Quellenbuch inhaltlich mit der Geschichte der Stadt Wien beginnt. Römer, Babenberger, Habsburger, die Türken, die Franzosen und der Große Krieg, das alles hinterließ Spuren bis in die 1920er Jahre. Mit diesen Jahren geht es dann auch weiter. Wien in den 1920ern ist eine interessante Stadt in der viele Persönlichkeiten leben und genau diese Stadt wird bei einem Stadtrundgang dann en detail vorgestellt. Ortsteile, Bezirke, wichtige und unheimliche Orte in der Stadt und Bewohner werden dabei ebenso vorgestellt, wie auch Legenden und Sagen, wobei einige durchaus Mythostauglich sind. Für die Stadt ist aber natürlich nicht nur die Gebäude und die Einwohner wichtig, ohne die Donau wäre Wien nicht, was Wien ist und deshalb darf auch ein Abschnitt über diesen Fluss und wie er genutzt wird nicht fehlen. Den Abschluss des ersten Kapitels bildet schließlich ein kurzer Abriss zur Umgebung Wiens, unter anderem wird hier das Semmeringgebiet beschrieben, in das die Wiener gerne fahren, um zu entspannen und zu wandern.

Im zweiten Kapitel werden Besonderheiten Wiens vorgestellt. Das Gesundheitswesen und damit verbunden auch die Psychoanalyse, die mit Sigmund Freud wohl ihren berühmtesten Vertreter in Wien hat, machen den Anfang. Es folgt der Stand der Technik Wiens mit Informationen über die Nutzung von Gas und Elektrizität, den Ausbau des Post- und Telefonwesens und das Verkehrswesen, vom Fiaker bis zum Flugzeug. Den Abschluss bildet das Gesetz, einmal in Form von Polizei und einmal in Form der Strafgerichtsbarkeit. Mit beidem könnten Spielercharaktere durchaus einmal in Berührung kommen und da ist es für den Spielleiter nicht schlecht, wenn er mit etwas Fachwissen ausgestattet ist. Im zweiten Kapitel findet der Spielleiter zwischen den Zeilen oder auch direkt viele Tipps für Abenteuer.

Das dritte Kapitel ist dann eher den Spielern gewidmet. „Leben in Wien“ ist die große Überschrift und darunter ist sehr viel gefasst. Kulturelles, kulinarisches und linguistisches findet hier seinen Platz. Mundart, Lebensart, Zeitungen und Zerstreuungen, darunter auch Museen und Bibliotheken werden vorgestellt und beschrieben. Hier finden die Spieler auch neue Berufe beziehungsweise Berufe die direkt auf Wien zugeschnitten sind. Das Kapitel endet mit einer Vorstellung vieler Berühmter Wiener und einer chronologisch geordneten Liste aller Ereignisse der 1920er Jahre.

Kapitel Vier widmet sich schließlich primär dem Mythos und anderen düsteren Begebenheiten in Wien. Besondere Kriminalfälle, mit denen der Spielleiter sehr gut arbeiten kann machen den Anfang. Weitere Sagen- und Spukgeschichten werden anschließend vorgestellt und verschieben die Stimmung Wiens ins düstere. Wem das noch nicht reicht, der ist mit dem Mythos und seinen Auswüchsen in Wien dann aber hoffentlich glücklich. Hier werden besondere okkulte Vereinigungen und unter anderem auch die Ghoulgesellschaft Wiens vorgestellt.

Das letzte Kapitel des Buches beinhaltet zwei Abenteuer. „Der Vogelmann“, von Peer Kröger, ist ein detektivisches Abenteuer, bei dem die Ermittler einem Serienmörder Einhalt gebieten müssen und dabei auch auf Freud treffen. Das zweite Abenteuer, „Blutwalzer“, von Ralf Sandfuchs, ist dagegen eher eine Mischung aus Detektiv- und Actionabenteuer und Musik spielt eine nicht unwichtige Rolle. Beide Abenteuer sind gut geschrieben und sorgen für viel Spannung. Sie sind beide sehr offen gehalten und führen doch zum Ziel.

Das Buch wird aber mit diesen Abenteuern nicht beendet, den Abschluss und ein gelungenes Ende findet sich ganz hinten mit einem authentischen Stadtplan Wiens.

Zu diesem Buch muss man eigentlich nicht viel sagen. Es ist wie immer qualitativ hochwertig gebunden und lektoriert und dazu noch äußerst informativ. Die Bilder sind wie immer gut gewählt und auch die Art und Weise, wie das Buch verfasst wurde ist gelungen. Nie vergeht einem die Lust am Lesen und nie hat man das Gefühl Information aufgezwungen zu bekommen. Gerade die Sagen Wiens zeigen wieder einmal mehr als deutlich, wie nah der Mythos manchmal liegen kann.

Fazit: Wien – Dekadenz & Verfall ist wie fast alle Bücher von Pegasus ein qualitativ hochwertiges Buch. Jede Menge Informationen zu Wien ohne überlastet zu sein verbunden mit dem Mythos Lovecrafts, also, um es in wenigen Worten zu sagen, alles, was Spieler und Spielleiter benötigen, um in Wien erfolgreich zu ermitteln. Die dazu gehörenden Abenteuer und die Karte Wiens helfen, sich schnell in Wien zurechtzufinden, und die Hinweise auf die Sprache der Wiener, helfen, den Ermittlern auch noch ein wenig Realismus mit auf den Weg zu geben. Mehr braucht man eigentlich nicht.

Titel: Cthulhu – Wien – Dekadenz & Verfall

Art: Rollenspiel
Regeln: W100
Sprache: Deutsch
Verlag: Pegasus Spiele GmbH
Publikationsjahr: 2010
Redaktion: Jan Christoph Steines
Übersetzer: –
Umschlaggestaltung: Manfred Escher
Umfang: 240 Seiten
Bindung: Hardcover mit Lesebändchen
Preis: 34,95€
Rezensent: Martin Wagner

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