Polaris Interview mit Philippe Tessier
23 Mrz 2016

Der Autor

Wenn ich nicht gerade spiele verunstalte ich Medien. Kommt einem zu Gute bei eigenen Rollenspielen wie Malmsturm oder Projekten wie Ratten!, Savage Worlds Gentlemens Edition, Scion, Sundered Skies und ein paar anderen. An und für sich bin ich der Erzählonkel, daher auch die große liebe zu FATE. Manchmal muss es aber auch ein Burger statt Steak sein und so wird gern und oft auch Savage Worlds oder wenn es klasisch sein soll Pathfinder und Konsorten gespielt. Ich probier gern und oft Systeme aus aber die eigentliche Leidenschaft sind die Hintergrundwelten.

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Leser dieses Blogs müssen es ja schier mitbekommen habe. Polaris wird im Zuge des gerade laufenden Crowdfunding neu aufgelegt.

Doch Vorsicht: Ich rede hier vom Unterwasser Rollenspiel Polaris welches nicht zu verwechseln ist mit dem kolloborativen Indie-Rollenspiel Polaris: Chivalric Tragedy at Utmost North (2005) von Ben Lehman verlegt durch These Are Our Games.

Polaris (Erstveröffentlicht 1997) ist ein französisches post-apokalyptisches Unterwasser-Rollenspiel geschrieben von Philippe Tessier und erstveröffentlicht von Halloween Concepts. Die dritte Version erschien 2008 beim französischen Verlag Black Book Editions mit geänderten Regelwerk. Black Book Editions legt nun auch Version 3.1 auf.

Autor Philippe Tessier war so nett sich mit mir über Polaris zu unterhalten:

Hallo Philippe stell dich doch bitte einmal vor.

Mein Werdegang ist ziemlich ungewöhnlich. Zu Beginn führte ich über mehrere Jahre hinweg einen Spiele- und Modellladen, ein Unternehmen das meinem « Talent » als Verwalter nicht standhielt. Dadurch begegnete ich jedoch Menschen wie Henri Balczesak (Jeux Descartes) und Guillaume Gille-Naves (Halloween Concept). Henri lies mich als Übersetzer arbeiten (für die Earthdawn-Reihe) bevor er mir das Projekt Shadowrun France übergab. Guillaume führte mich zu meinen ersten Schritten im Bereich Übersetzung/Umsetzung durch den Guide Tooniversel (für Toon) bevor er die erste Edition von Polaris herausgab. Als Übersetzer war ich in verschiedenen Bereichen aktiv, von Videospielen bis zu Pokerartikeln. Ich habe einige Romane verfasst, manche in der Welt von Polaris, andere in sehr anderen Settings wie Selenie der toten Länder (Sélénie des Terres mortes), die niedergestreckten Engel (les Anges Foudroyés) oder die Wölfe Uriams  (Loups d’Uriam).

Spielst du selber und wenn ja welche Rollenspielsysteme und Hintergründe am liebsten?

Ja, seit nunmehr über dreißig Jahren. Ich habe viele Spiele gespielt, die meisten davon haben mir gut gefallen. Wenn ich jedoch eine Wahl treffen müsste, würde sie auf Rêve de dragon, Gamma World, Jorune, Runequest, Traveller (sowohl der Klassiker als auch 2300 AD), Numenera und AD&D (ich bin bei der ersten Edition geblieben !) fallen.

Wie bist du in dieses Team gekommen.

2006 haben mich die Leute von Black Book Editions kontaktiert um Polaris zu übernehmen und eine neue Edition herauszubringen da der vorherige Verlag dicht gemacht hatte. Ich habe diese Gelegenheit genutzt und so haben wir das Spiel neu auflegen können, welches durch ein sehr erfolgreiches Crowdfunding vor ein paar Jahren ein echtes Revival erleben durfte.

Stell das Team doch bitte einmal vor.

Die anderen Autoren sind Raphaël Bombayl und François Menneteau die mich mit dieser neuen Edition begleitet haben. Raphael hatte die schwere Aufgabe ein neues Spielsystem zu konzipieren während Francois alle technischen Aspekte des Settings überwachte und es mir ermöglichte einen soliden und schlüssigen Hintergrund aufzubauen.

Dolphin by Matthew Cowdery

Dolphin by Matthew Cowdery

Polaris erscheint nun in einer neuen Auflage. Kannst du etwas zu dem Werdegang von Polaris erzählen?

Polaris ist 1996 dank Guillaume Gilles-Naves und seinem Verlag Halloween Concept entstanden, der ein neues Rollenspiel mit einem neuem oder wenig genutztem Thema veröffentlichen wollte. Das Spiel kam gut an und eine zweite Edition wurde bereits 1998 veröffentlicht, welche ebenfalls einen wahren Erfolg verzeichnen konnte. Leider sind die Dinge danach komplizierter geworden und der Verlag musste schließen. Bis zur Übernahme durch Black Book Editions im Jahre 2006 wurde das Spiel durch die Fancommunity auf dem Polaris-Forum (http://www.polaris-site.com/forum/)  und dem SDEN (http://www.sden.org/) aufrecht erhalten.

Worin werden sich die Ausgaben unterscheiden?

Die größten Unterschiede verzeichnen sich auf den Regeln und manchen technischen Aspekten. Unterwassertechnologien haben sich in den letzten Jahren stark entwickelt und mit Francois Menneteau haben wir dies als Anlass genommen manche technischen Lücken auszubessern, zum Beispiel was die Konzeption mancher Gefährte angeht, verwendete Waffen, verschiedene Antriebsmotoren etc. Ich habe ebenfalls die Hintergrundgeschichte ausgebessert damit diese schlüssig bleibt, obwohl sie eine sehr große Zeitspanne und viele Nationen und Gruppierungen umschließt. Und natürlich bringt diese neue Edition erstmals Farbe auf alle Seiten der Bücher!

Polaris hat eine wie mir scheint sehr dichte Welt in der man sehr viele unterschiedliche Arten von Abenteuer spielen kann. (Intrigen, Piraten, Spione, Überlebenskampf, Wissenschaftliche Entdeckerreisen als SeaQuest DSV etc…) Worum geht es in hauptsächlich in Polaris?

Ich würde sagen dass es mich am meisten um den Überlebenskampf handelt, entweder gegen Schwierigkeiten wie fehlendes Material, Piraten, Tiefseemonster, Intrigen der großen Nationen oder gegen die unbekannten Gefahren die auf die Abenteurer in den Tiefen des Ozeans, auf der Oberfläche, in den Tiefen der Erde oder der seltsamen Dimension des Flux warten. Erkundungen und Entdeckungen sind ebenfalls ein starkes Thema in diesem Spiel.

Cover by Simon Labrousse

Cover by Simon Labrousse

Was fasziniert dich am meisten in dieser Welt?

Der Ozean… hauptsächlich. Das Meer, die Tiefen, die Dunkelheit, der Wasserdruck. Dies sind unglaubliche Elemente die großen Reichtum mit sich bringen und sowohl für Science-Fiction als auch Fantasy-Erzählungen von großem Interesse sind. Es reicht, einmal eine Nacht auf dem Wasser verbracht zu haben, mitten im Meer, um zu verstehen wieviele Geheimnisse der Ozean verbirgt, sowohl beunruhigende als auch faszinierende. Dies ist eine Quelle die Gold wert ist um zu spielen, zu erfinden, zu entdecken. Zu dem wird natürlich noch die Unterwassertechnologie hinzugefügt die immer interessanter wird, wie zum Beispiel Torpedos oder Superkavitationsgefährte, die nun nichtmehr nur Science-Fiction sind.

Polaris ist ja nicht nur auf den Meeresboden beschränkt. Die Menschheit strebt auch ins All nachdem der Mond wieder “Online” ist. Kannst du dazu etwas erzählen oder ist das Material für spätere Bände?

Das All wird in Polaris bis jetzt nur oberflächig angesprochen und begrenzt sich auf ein wichtiges Element : Die Orbitale Allianz. Es ist natürlich vorgesehen dies weiter auszubauen, genau wie die Oberfläche oder die Unterirdischen Ebenen der Erde. Die Menschen die in Stationen im All leben wie auf dem Mond, dem Mars oder einem anderen Planeten, haben eine sehr andere Vision der Dinge und es wäre sehr interessant diese und deren Lebensstil weiter zu entwickeln. Und natürlich werden wir dann auch mehr über den Riesensatelliten der um Jupiter kreist erfahren : Corps X.

Gibt es konkrete Pläne für weitere Bände?

Die französische Version verfügt über mehrere Romane und Settingbände, darunter Coral Republic, Polar Alliance, Amazonia, Mediterrannean Union, einen Tech Guide und ein Abenteuerkompendium. Je nach Verkaufszahlen wird es ebenfalls weitere neue Settingbände geben, überarbeitete Neuauflagen von Hegemony, Red League, Pirates und der Oberfläche. Weitere Bücher sind in Planung…

Watcher by Lorenzo Mastroianni

Watcher by Lorenzo Mastroianni

Wie sähe dein Polaris Charakter aus?

Wie ein Genetician ! 🙂 Als Spieler eher ein diskreter und pfiffiger Typ. Ich hab auch ein gewisses Faible für die Cyborgs der Polar Alliance und deren tragische Seite.

Welche Art von Abenteuer spielst du gerne in Polaris?

Größtenteils Stimmungvolle Abenteuer in einer Fantasy-Atmosphäre. Erkundungsgeschichten mit verlassenen U-Booten, unentdeckte Unterwasserruinen, verlassene Stationen etc. Ich finde auch die Oberfläche eignet sich sich gut für Entdeckungs- und Erforschungsabenteuer.

Techno-Hybrid by Stephanie Böhm

Techno-Hybrid by Stephanie Böhm

Was sind die Inspirationsquellen von Polaris?

Sie sind sehr vielfältig. Da wären zum einen natürlich all die Romane und Filme die von U-Booten und der Unterwasserwelt handeln : Das Boot, Abyss, Jagd auf Roter Oktober, Crimson Tide, Voyage to the bottom of the sea, 20,000 Leagues under the Sea und die Romanreihe von Michael Dimercurio. Aber es gibt auch sonst viele Science-Fiction-Inspirationen wie Alien, Mad Max, Cosmos 1999, Battlestar Galactica, Dune, Grand Star und selbst Perry Rhodan. Ungefähr alles was ich lese und sehe kann mir als Inspiration dienen.

Für andere Aspekte des Spieles inspiriere ich mich eher an Fantasy-Werken wie die von Jean Ray oder Lovecraft und Werke die Science-Fiction mit Fantasy verbinden wie zum Beispel Event Horizon. Als große Inspirationsquelle muss ich auch Le pays de la nuit von William Hope Hodgson aufzählen, aber ich habe ebenfalls aus breiteren Quellen gezogen wie den Horrorfilmen von Lucio Fulcio oder Western.

Ihr plant die Core Rules in zwei Bücher zu veröffentlichen…

Zum einen da dies einfacher zu handhaben ist und weil wir uns der Meinung waren, dass zwei leichtere Bücher besser wirken als ein riesiger Schinken. Dies erlaubt uns ebenfalls die ganze Charaktererschaffung und das Spielssystem von der Partie mit der Technologie und dem Material zu trennen, welches sich im zweiten Buch befindet. Und das gibt uns zwei Buchdeckel anstatt einem… und somit zwei Illustrationen von Simon Labrousse 🙂

Was beinhalten diese beiden Bücher?

Das erste Buch beinhält alle Hintergrundinformationen des Spieles, die Basisregeln für die Charaktererschaffung und das Spielsystem. Das zweite Buch umfasst alles Equipment, das Kapitel über Exo-Rüstungen, Gefährte, Unterwasserkampf, fortgeschrittene Regeln und die Basiskreaturen.

Alpha & Vira Our by Grégoire Veauléger

Alpha & Vira Our by Grégoire Veauléger

Es gab auch Romane zum Rollenspiel. Werden diese auch neu aufgelegt?

Dies hängt zum Teil vom Erfolg dieser neuen Version ab, aber ja, Black Book Editions plant die Romane zu übersetzen, auch wenn dies noch etwas dauern könnte.

Oft hört man das französische Rollenspiele faszinierende Hintergundwelten haben aber das Regeldesign oft auf der strecke bleibt. WIe empfindest du das französische Regeldesign?

Dass wir uns sehr auf den Hintergrund konzentrieren, ja, dass wir die Regel außen vor lassen denke ich nicht. Die große Schwierigkeit besteht darin Regeln zu erschaffen die dem Hintergrund zu gute kommen und dies ist sicherlich der kniffligste Part. Dies ist jedoch nicht nur bei Französischen Spielen der Fall. Ob Französisch oder nicht, viele Autoren geben dem Hintergrund den Vorzug und dies ist eine freie Entscheidung.

Eines der Stretchgoals sind Savage Worlds Regeln für Polaris. Wird es  weitere alternative Regeln geben?

Wenn ja welche?

Nichts dergleichen ist aktuell geplant, aber man weiß ja nie ! 🙂

Philippe, ich danke dir ganz herzlich für die Zeit die du dir genommen hast und wünsche dir superviel Erfolg mit dieser grandiosen Weltenbeschreibung!

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