Im Gespräch mit Matthias Mensing

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Nexus e.V. und Projekt Odyssee

Initial Roland hat für den Rollenspiel Almanach mit Matthias Mensing, Vorstandsmitglied des Berliner Rollenspielvereins Nexus und Aktiver des Projekts Odyssee über die Krise des Rollenspiels und die Zukunft freier Systeme gesprochen.
Matthias ist Jahrgang 1967, im wahren Leben Projektingenieur und hat 1984 mit DSA seine Rollenspieler-Karriere begonnen.

Hallo Matthias, was spielst Du gerade?

Ich nehme mal an die Frage bezieht sich auf Rollenspiele.

So ist es.

Da bin ich zur Zeit mit Rolemaster und Spacemaster unterwegs. Das ist aber mehr zufällig, da sich die Spielleiter in den beiden Gruppen, in denen ich spiele, so alle halbe Jahre abwechseln. Letzte Season hatten wir Warhammer Fantasy und es ist auch schon mal Artesia angedacht worden.
Außerhalb von Rollenspielen entdecke ich gerade Brettspiele wieder.

Über welche aktuellen Rollenspiel-Veröffentlichungen freust Du Dich momentan besonders?

Im großen und ganzen über die vielen deutschsprachigen unabhängigen Systeme, welche in den letzten Jahren mit einem zunehmend profesionellen Erscheinungsbild auf den Markt gekommen sind. Sei es so etwas wie Prost, Nova, oder Nornis. Man muss nicht jedes dieser Systeme toll finden, aber es ist einfach gut, dass sich da etwas tut. Ansonsten bin ich ein echter Fan von Artesia.

Ein Fantasy-Rollenspiel, das auf dem gleichnamigen Comic basiert.

Genau. Ich denke, es ist sehr schwer zu spielen, wenn man die gesamte Tiefe der Welt ausschöpfen will, aber es ist ein sehr dichter Kosmos mit Regeln durchwoben, die mich ansprechen.
Aber zurück zur Frage.
Wenn man mal von Regelwerken weggeht, dann ist da natürlich noch „Abenteuer.“ zu nennen und im vorletzten Jahr „Push – New thinking about Roleplaying„.

Worin siehst Du zur Zeit die großen Innovationen auf dem aktuellen Rollenspielmarkt – oder fehlen solche?

Ich denke nicht, dass sie fehlen.
Playerempowerment ist z.B. eine Sache, die mir sehr gut gefällt, aber inwiefern das in Zukunft meine Spielart beeinflussen wird, weiß ich noch nicht.
Es gab mal solche Sachen wie Fertigkeitensysteme. Das war was brandaktuelles zu einer Zeit, da D&D und DSA noch keine Fertigkeiten kannten. Die haben sich größtenteils gehalten. Storyteller war dagegen nach meinem Empfinden sehr viel weniger Einflussreich als der Rummel, der darum gemacht wurde, es hätte erwarten lassen.
Im Rollenspielsektor würde ich daher auch weniger von Innovationen sprechen wollen. Es gibt Experimente und Ideen, meistens sehr gute, aber nur sehr wenige setzen sich durch. Man könnte z.B. auch DRASTIC als eine Innovation sehen, aber kaum jemand nutzt das heute. Mehr wird schon die Dicelessversion Arcana genutzt, vermutlich stark durch Engel unterstützt.
Das, was mich wirklich echt beeindruckt hat, war auf der letzten Odyssee zu sehen. Nannte sich Gedankensplitter. Mehrere Spieler spielen nacheinander ein- und denselben Charakter. Inspiriert vom Film „Memento“ können die Spieler an den nächsten Spieler nur drei kurze Notizen weitergeben. Das war schon wirklich gut anzusehen.
Das ganze ist vor Publikum auf einer Bühne gemacht worden. Solche Aktionen sind in meinen Augen lebendiges Rollenspiel. Ob man jetzt mit oder ohne Würfel oder Feats spielt ist da doch eher Nebensache.
Es sind im Übrigen genau solche Dinge, die mich auf Cons treiben.
Ok, neben Workshops und Leute treffen. Zum Spielen geh ich jedenfalls kaum noch auf Cons.

Seit einiger Zeit ist allerorten von der Krise des Rollenspielgenres die Rede. Gibt es diese Krise Deiner Meinung nach?

Ich denke schon, dass Rollenspiel ein schrumpfendes Hobby ist. Ob man das jetzt Krise nennen will, sei dahingestellt. Vielleicht ist es nur der natürliche Werdegang. Trotzdem ist das ein großes Thema. Man schlage in einem beliebigen Rollenspielblog nach und wird dort etwas zu dem Thema finden.

Und wo liegen die Ursachen?

Tja Ursachen? Wenn ich die tatsächlich wüsste, wäre ich jetzt gutbezahlter Consultant in einem oder zwei Rollenspielverlagen.
Ich glaube, dass es hier einige Punkte gibt.
Stellt man sich die Frage, wer denn den Markt füllt, so ist relativ klar, dass es Spieler sind.
Wenn der Markt schrumpft bedeutet das, dass mehr Spieler abwandern, als neue dazukommen.
Wo kommen neue Spieler also her?

Passt zum Vorwort der Nullnummer des neuen Fanzines „Abenteuer.“ Da beschreibt Clemens Meier die Krise des Rollenspiels ja auch als Krise eines überalternden Fandoms. Ist das gesamte Genre dem Untergang geweiht, weil es an Nachwuchs fehlt?

Tja, den Nordcon hab ich leider verpasst. Damit leider auch die Nullnummer. Aber Clemens Meier ist schon einer von den Guten. Wenn der was sagt, sollte man zumindest ein oder zwei Gedanken dazu verschwenden. Oft liegt er nämlich richtig.
In diesem Sinne ja, wenn der Nachwuchs weiter ausbleibt, ist das Hobby dem Untergang geweiht. Dazu muss man aber nur rechnen können, die Erkenntnis entstammt keiner Geheimwissenschaft.
Aber bleibt der Nachwuchs aus, weil es nur noch alte Säcke sind die dem Hobby frönen, zusammen mit ihrer Gruppe Frührentner, mit denen sie schon seit 20 Jahren spielen?
Vielleicht! Klingt zumindest im ersten Moment nicht abwegig, aus demselben Grund hab ich damals kein Skat gelernt.

Also fehlen neue Spieler. Woher den Nachwuchs nehmen?

Das sind doch Jugendliche, die nach Neuem Ausschau halten, sich orientieren und dabei in der Regel das machen, was die Leute in ihrem Umfeld tun.
Nicht alle, aber ein großer Teil beschäftigt sich mit Computerspielen. Es ist schwer mit Pen and Paper gegen Computer(rollen)spiele anzugehen. Letztere tragen meiner Meinung nach diese Bezeichnung zwar zu Unrecht, aber das sei mal dahingestellt. Der Grund für den Nachteil gegenüber den Computer sind Einstiegshürde, Erfolgserlebnis und Zeitmanagement.
Die Einstiegshürden sind vielfältig, erstmal hat jeder in der Schule einen Rechner zu Hause stehen (zumindest die Mitschüler, die als wichtig angesehen werden). Damit ist die Erreichbarkeit des Rechners höher als die des nächsten Rollenspielladens und auch als des nächsten Rollenspielonlineshops. Zusätzlich haben die wenigsten Lust so von sich aus 300 Seiten durchzulesen in denen es zumindest zu 50% um Regeln geht.
Das Erfolgserlebnis hat jeder schon mal gehabt, der ein Computerspiel gespielt hat. Diese Spiele sind dazu designed schnelle Erfolge zu produzieren und von alleine während des Spiels gelernt zu werden. Rollenspiele sind i.d.R. nicht nach dem Gesichtspunkt designed, dass jemand das alleine mal eben nebenbei lernt. Man muss erst lernen und kann dann spielen, im Gegensatz zu Computerspielen. Gleichzeitig müssen Computerspiele nicht anspruchslos sein, am Anfang sind sie relativ simpel, aber dazu gibt es ja Level. Nach und nach wird angezogen und der Spieler kann neue Features erlangen und höhere Schwierigkeitsgrade meistern und alles während des Spielens. Beim Rollenspiel könnte man das mit einem Supplement gleichsetzen. Aber auch bei dem muss erst gelernt werden und dann kann gespielt werden. Dass Rollenspiele Erfolgserlebnisse ganz anderer Art präsentieren, ist dabei ohne Belang, denn zu diesem Punkt kommen die potentiellen Spieler erst gar nicht.
Bleibt noch Zeitmanagement. Zum einen als potentiell interessierter angehender Spieler, aber auch als altgedienter Veteran muss ich mir andere Leute suchen. Mit dem Netz geht das einfacher als früher, wo ich im Laden einen Zettel aufgehangen habe. Ich kann mir heute 20 Namen zu meinem Spiel der Wahl von Seiten wie z.B. Spielerzentrale ausspucken lassen. Trotzdem, neben der Hürde mich unbekannten Menschen nähern zu müssen, bleibt noch die Wahl eines gemeinsamen Termins.
Also spielen die meisten Leute mit einem Personenkreis den man als Clique bezeichnen kann.
Da kommt aber niemand von Außen so schnell rein und wer rausgefallen ist kommt selten wieder zurück.
Wie dem auch sei, beim Computer spiele ich wann ich will und wenn ich online bin auch wo ich will. Das ist bloß eine Frage der Zeit in der, der Rechner hochfährt.
Ich muss mich mit niemanden verabreden, ich muss auf niemanden Rücksicht nehmen, alles easy goin‘.
Um mit Joda zu sprechen, es ist die Wahl zwischen dem schnellen und dem beschwerlichen Weg. Ich denke die wenigsten Kids werden sich für den beschwerlichen entscheiden ohne eine Ahnung zu haben ob es sich lohnen wird, nicht mal ohne zu ahnen, ob es sich lohnen könnte. Nebenbei gesagt, ich wäre mir nicht mal bei Erwachsenen sicher wie die Wahl ausfallen würde.

Clemens‘ Fazit ist dementsprechend auch schlicht und einfach: Was solls? Dann stirbt unser Hobby eben aus. Aber falls man es nicht dabei belassen will: Was macht man dagegen?

Relativ Simpel. Die Leute da abholen wo sie sind. Man muss potentiellen zukünftigen Spielern die Möglichkeit geben, ein oder zweimal in das Thema hinschnuppern zu können.
Dann sind sie auch bereit Zeit und Mühe zu investieren. Das kann man aber nicht auf einem Rollenspielcon oder in einem Rollenspielladen.
Die wichtigen Kontaktpunkte wo man neue Leute auftut sind da, wo nicht Rollenspiel gespielt wird.
Wo das sein kann, sei der Phantasie jedes einzelnen überlassen.
Wir von Nexus sind zu einem in Berlin beheimateten Manga- und Anime-Verein gegangen (Daisuki Animee) und haben dort in kleiner Runde Rollenspiele angeboten. Wir waren zudem auf der Mega Manga Convention und haben dort Runden angeboten. Das war übrigens ein Kontakt, den wir über unseren Stand auf der Leipziger Buchmesse geknüpft haben – auch ein Ort, wo man Kids treffen kann, die mit Rollenspiel noch nie was am Hut hatten.
Wichtig ist es vermutlich nur Orte zu finden, wo Kids hingehen. Diejenigen, die zu Hause bleiben, erreicht man ohnehin nicht.

Euer Verein Nexus scheint da ja gute Arbeit zu leisten. Du selbst bist hier stark aktiv. An welchen Projekten bist Du gerade beteiligt? Woran arbeitest Du?

Urgs, mein Magen rotiert. „Stark aktiv“ hört sich für meine Ohren jetzt etwas zu hochtrabend an.
Im Nexus e.V. (www.nexus-berlin.de und www.nexus-stuttgart.de) bin ich dieses Jahr mal wieder im Vorstand tätig und werde im November die Stuttgarter Kollegen auf unserem Stand auf der Süddeutschen Spielemesse unterstützen. Außerdem halte ich mal wieder Ausschau nach einer Veranstaltung im Berliner Raum, wo man Nichtrollenspielern Rollenspiel präsentieren kann. Leider fehlt uns in Berlin ja eine Messe wie z.B. die Hobby und Spiel in Leipzig oder die Süddeutsche Spielemesse in Stuttgart oder die Spielwiesn in München, die dem Rollenspiel gegenüber offen eingestellt ist und es entsprechend unterstützt. Wir haben hier zwar die Hobbyland, aber das ist was für Leute, die schon immer mal einen Modellbaupanzer fahren, sich mit Opa die Modellbahn betrachten wollten oder zu der großen Gruppe der unterbeschäftigten Hausfrauen gehören und sich über die neueste Wachsmaltechnik oder Stricken für Semiprofessionelle infomieren. Dieses ganze Programm gibt es auch auf den anderen genannten Messen, aber es gibt auch aktive Unterstützung und Zusammenarbeit mit der lokalen Rollenspielszene und die gibt es in Berlin nicht. Wenn man auf die Veranstalter zugeht und denen erklärt, dass man fähig sei ein halbes Dutzend Gruppen aus Berlin und Umgebung zur Messe zu bringen, angefangen bei PnP über Larp bis hin zu Reanactment, Showfechtern und Gauklern und man als Antwort einen Flyer bekommt, dann läuft da irgendwas verkehrt.
Das ist natürlich schade, denn zum einen hätte die lokale Szene was davon, weil man hier viele Menschen mit Rollenspiel infizieren könnte, und zum anderen hätte die Messe etwas davon, denn ihr Event wäre wesentlich bunter und frischer und man hätte wieder etwas, mit dem man Publikum werben könnte.
Außerdem habe ich in den letzten beiden Jahren den Burg Con organisiert und auf der Odyssee die Lesungen gemanagt.
Zu guter letzt könnte man noch meinen Lurkerstatus bei DRSRM aufführen. Für die, die das nicht kennen, das ist die Newsgroup de.rec.spiele.rollenspiele.misc im Usenet (Usenet ist sehr kurz gesagt: www ohne Bilder). Ich fahre regelmäßig zu den jährlichen Treffen und begegne dort einer von außen betrachtet vielleicht manchmal mit etwas elitären Gehabe ausgestatteten Klientel von Rollenspielern, die bei näherem Kennenlernen aber allesamt sehr in Ordnung sind, viel zu dem Thema zu sagen haben und die ich auf gar keinen Fall missen möchte.

Zurück zur Krise: Was ist mit den unzähligen freien Projekten, die sich vor allem im Internet tummeln. Liegt hier vielleicht die Zukunft des Rollenspiels?

Nein, glaube ich nicht. Diese Projekte werden zumindest in Deutschland an Bedeutung und Marktanteil gewinnen (sofern sie kommerziell orientiert sind), aber ich glaube nicht, dass dies wirklich die alleinige Zukunft sein wird. Letztendlich bedeutet Mainstream eben genau das, was es sagt, die Masse spielt es und so interessant solche freien Projekte auch sein mögen, sie sind nicht die Masse. Nichtmal wenn man sie addiert.
Es wird sicher ein oder zwei Systeme geben, die mit in der zweiten Liga spielen können, aber gegen D&D und DSA sehe ich im Augenblick nichts, was an Unabhängigen dagegen angehen könnte.
Die unabhängigen Systeme haben Auflagen im drei-, höchstens im sehr, sehr niedrigen vierstelligen Bereich. Bis zu dem fünfstelligen Auflagen der Großen ist es ein sehr weiter und vor allem einsamer Weg. Denn, was man hier mal nicht vergessen darf, das ist ein knochenhartes Geschäft, minimale Gewinnspannen und extrem aufwendige Promotionarbeit.
Was ich bei Projekt Odyssee gelernt habe, so sind zwei Faktoren entscheidend für Dein Produkt, das eine ist Präsenz und das andere ist Präsenz (nein kein Druckfehler).
Die erste Präsenz ist die Darstellung Deines Produktes, es muss gut gezeichnet sein, gut gelayoutet sein, also etwas hermachen. Die zweite Präsenz ist Deine (als Autor), tatsächliche Präsenz. Du musst jeden verdammten Con von Friesland bis zum Bodensee abklappern. Du musst mit Leuten reden, reden, reden und jeder erzählt Dir von seinem Lieblingscharakter (OK, eigentlich nicht jeder, aber manchmal kommt es Dir so vor). Und Du musst Runden anbieten, also pushen, pushen, pushen, wo es geht.
So als kurzen Einschub: Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass ich hier nichts von tollen Regeln gesagt habe.
Wie dem auch sei, für mich wäre das nichts. Ich habe einmal ein Jahr mit 40 Tagen/Nächten in Sachen Rollenspiel unterwegs durchgemacht. Nie wieder sag ich. Was ich in dem einem Jahr erlebt habe war total interessant und ich würde jedem empfehlen es auch mal zu machen, aber einmal reicht dann auch. Am Ende lag ich mit Fieber in Leipzig im Bett (ich wohne in Berlin) und hab Ratten auf der Essener Spiel verpasst.
In diesem Sinne, Projekte sind wichtig und gut und werden an Bedeutung gewinnen, wenn sie sich aber nicht nach einem Jahr selber tragen, wird dem Autor einfallen, dass irgendwoher die Kohle für den gefüllten Kühlschrank kommen muss, bzw. dass seine Freundin vor drei Monaten ausgezogen ist. Im übrigen ist das auch der Grund warum Rollenspielverlage nicht selten aus nur zwei bis vier fest angestellten Mitarbeitern (von denen eine die Sekretärin ist) bestehen und der Rest aus freien Mitarbeitern rekrutiert wird (das Geld ist der Grund, seltener die Sache mit der Freundin).

Du hast das Projekt Odyssee bereits erwähnt. Zumindest im Internet war es eine Weile still darum geworden – bis die Seite vor ein paar Monaten neu startete. Erzähl ein bisschen über das Projekt. Wie ist der aktuelle Stand und was für Aktionen sind geplant?

Bei Projekt Odyssee (Projekt Odyssee – vorzeigbare Baustelle) ist es etwas ruhiger geworden. Es gibt nicht mehr so viele „Fieldagents“, die ein Event organisieren und die Autoren sind doch sehr mit ihren eigenen Systemen eingespannt. Solange Bedarf ist, werde ich noch den Stand auf der LBM machen und irgendwann wird sich dann entweder Nachwuchs finden und wieder andere Cons oder Messen bedienen oder es wird auslaufen. Aber zur Zeit gibt es uns noch.
Aber vielleicht mal ein kurzer Rundumblick für Leute, die das noch nicht kennen.
Projekt Odyssee ist eine Initiative des Nexus e.V., die es sich zum Ziel gesetzt hat es selbst geschriebenen Rollenspielen zu ermöglichen über die eigenen vier Wände hinaus bekannt zu werden. Dazu wird z.B. eine Seite unterhalten und – das ist eigentlich die Hauptsache – es werden Stände organisiert. Und das eben nicht nur auf Cons, sondern auch auf Messen. Dort wo man Kontakt zu Menschen hat, die eben nicht schon als gemachter Rollenspieler zu dem Event kommen.
Mitmachen kann jeder, der ein Rollenspiel geschrieben, Zeichnungen beigefügt, oder sonstwie an dem Gesamtwerk mitgearbeitet hat, wenn das System nicht in einem herkömmlichen Verlag erscheint. Ausnahme ist der Vertrieb im Eigenverlag. Trotzdem, wenn man erstmal bei uns Mitglied war, wird man nicht rausgeworfen, wenn man es denn geschafft hat, siehe z.B. Degenesis oder offizielle Spieleseite.
Unabhängig von den organisierten Events hab ich auch kein Problem, wenn Systeme zum Burg-Con, der Odyssee oder eine sonstigen Veranstaltung von Nexus kommen und sich dort präsentieren wollen oder wenn mehrere Systeme einen Gemeinschaftsstand organisieren. So z.B. auf der ersten RPC geschehen.
Früher waren wir noch auf der Essener Spiel, aber das ist finanziell einfach nicht mehr vertretbar. RPC liegt vom Geld her gerade noch so im Bereich des Möglichen. Man darf zudem nicht vergessen, wenn das nicht von Autoren vor Ort organisiert wird, hat man noch Fahrtkosten Berlin-Ruhrgebiet zu bezahlen und zur Not den Stand im Koffer im ICE mitzuschleppen.
Bei den kostengünstigeren Cons liegt es dann in der Regel an der Manpower. Es gibt zwar interessierte Autoren, bislang ist es aber nicht so im vollen Umfang gelungen Autoren zu motivieren, regelmäßig über das Jahr verteilt, gemeinschaftliche Stände zu organisieren. Es gibt da einige Ausnahmen, welche mehr an die Vorteile eines gemeinschaftlichen Handelns denken oder es erkennen, aber der Rest ist vermutlich viel zu sehr mit seinem System beschäftigt. Was, wie ich oben ausgeführt habe, nicht unterschätzt werden sollte. Also hängt es wieder an den Projekt Odyssee Mitarbeitern, welche kein eigenes System präsentieren und somit frei sind für derartige Organisationstätigkeiten. Aber von denen haben wir eben viel zu wenige.

Wie sieht so ein Messeauftritt des Projekts Odyssee aus?

Damit man sich davon mal ein Bild machen kann, vielleicht ein paar Worte zur Leipziger Buchmesse.
Da läuft das so, dass ein Stand zur Verfügung gestellt wird (ca. 14 qm, inkl. rückwärtigen Teil zum Ausruhen), ein Spielbereich mit etwa 10 bis 15 Tischen (ca. 200 qm) und i.d.R. einem kleinen Social Event, bei dem dann auch die Aussteller der anderen Verlage aus dem Fantastikbereich, wie z.B. FanPro, Feder und Schwert oder Moewig, anwesend sind.
Vor Ort machen wir den Stand zusammen mit den Leuten vom Spielraum LE. Die Mitglieder des Spielraums stellen auch Schlafmöglichkeiten zur Verfügung, sodass lediglich der Unkostenbeitrag für den Stand, An- und Abreise und die Verpflegung für die Zeit (für die man ja sowieso aufkommen müsste) an Unkosten anfallen.
Wie ich finde, eine wirklich gute Sache für unabhängige Systeme, die ein einzelnes System nur schwer realisieren könnte. Trotzdem wird diese Möglichkeit nur selten genutzt.
Für Autoren sollte so eine Messe ein wichtiger Punkt im Kalender sein, denn hier muss man sich einem gemischt fachbezogenen und fachfremden Publikum stellen.
Das Präsentieren besteht zum Einen aus sehr viel Reden. Denn es strömen den ganzen Tag lang Leute an dem Stand vorbei und die muss man aus dem Strom herausfischen. Zum Anderen kann man in kurzen Runden (ca. 2h) dem stärker interessierten Besuchern sein Spiel vorstellen. Beides ist schwierig und gelingt nicht jedem. Vielleicht ist das ein Grund, warum viele davor zurückschrecken.
Wie dem auch sei, Menschen sind lernfähig und auch wenn hin und wieder Zweifel bestehen, Rollenspieler gehören auch dazu. Dann tut man sich eben am ersten Tag etwas schwer. Wenn der vierte Messetag vorbei ist, kann man es und man hat etwas fürs Leben gelernt und ist fähig sein System darzustellen, sodass Leute immerhin einem zuhören. Denn, so mein Eindruck, viele Autoren kommen mit der Vorstellung auf so ein Event, dass die Besucher von alleine kommen. Das ist aber ein Irrtum. Es gibt keine interessierten Besucher, nur solche bei denen man leichter oder schwerer Interesse wecken kann.
Mal davon ganz abgesehen ist die Messe ein Quell von mörderisch positiven Stress und man lernt wirklich sehr interessante Leute kennen.

Vielen Dank für das Interview!

Danke für das Vertrauen mir einfach so Fragen zu stellen. Man weiß ja nie, was man dafür so zurückbekommt.

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