Im Gespräch mit Daniel Neugebauer über Beyond the Wall
03 Dez 2015

Der Autor

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Wenn ich nicht gerade spiele verunstalte ich Medien. Kommt einem zu Gute bei eigenen Rollenspielen wie Malmsturm oder Projekten wie Ratten!, Savage Worlds Gentlemens Edition, Scion, Sundered Skies und ein paar anderen. An und für sich bin ich der Erzählonkel, daher auch die große liebe zu FATE. Manchmal muss es aber auch ein Burger statt Steak sein und so wird gern und oft auch Savage Worlds oder wenn es klasisch sein soll Pathfinder und Konsorten gespielt. Ich probier gern und oft Systeme aus aber die eigentliche Leidenschaft sind die Hintergrundwelten.

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Ich hab mich mit Daniel Neugebauer vom System Matters Verlag ein bischen über Beyond the Wall unterhalten.
Beyond the Wall soll 2016 erstmalig in deutscher Übersetzung erscheinen.

Erzähl mir doch was Beyond the Wall ist?

Beyond the Wall ist eines dieser Old School RPGs. Das heißt wir haben ein D20 Regelwerk als Grundgerüst (kennt man vom größten und bekanntesten englischsprachigen Rollenspiel überhaupt) und dazu ziemlich clevere Ideen, die das System ein wenig anpassen. Es ist aber kein kompliziertes D20 Regelwerk, sondern ein einfaches, so wie es in den 1980er Jahren erschienen ist.
Warum willst du das Spiel veröffentlicht wissen?

Was mich total faszinierte war das Versprechen, dass man ohne viel Vorbereitung sofort ins Spiel einsteigen könne. Wir kennen das doch alle: Wie viele Runden sind schon gescheitert, weil man sich, wegen Terminproblemen, nach der Charaktererschaffung schon kein zweites Mal mehr traf. Oder man hat als Spielleiter keine Zeit oder Lust mehr diese 400 Seiten Wälzer für seine Spielrunde durchzuarbeiten, nur um damit zweimal im Jahr zu spielen.

Beyond the Wall geht einen anderen Weg: Pack das Spiel aus, wähle einen Charakter (Hexenschüler, Waldläufer, Ritter, Dorfheld, Magier oder Dieb), erwürfele dir den Hintergrund und die Fähigkeiten mit einigen Zufallstabellen (Wer sind deine Eltern, was hast du bei der Hexe gelernt, was für einen besonderen Gegenstand besitzt du?) und zeichne Gebäude auf der Dorfkarte ein. Dein Vater war der Schmied? Großartig: Dann zeichne die Schmiede irgendwo auf die Karte ein! Du bist der Hexenschüler? Super! Und wo wohnt die Hexe im Dorf?

Gleichzeitig erwürfelt sich der Spielleiter das Szenario. Das Ganze ist etwa 8 Seiten lang und hat z.B. das Thema Die verärgerten Feen. Zunächst würfelt man aus „Warum die Feen verärgert sind?“, dann schaut man sich an „Was für seltsame Gebräuche am Hof der Feenkönigin herrschen?“ und man legt fest welche Monster auftauchen und was die Charaktere machen müssen, um die Feen zu beruhigen. Und während die Spieler ihre Charaktere erschaffen und das Dorf mit Leben füllen, hat man selber ein Abenteuer das für einen schönen Spielabend reicht und der Ausgangspunkt sein kann für mehr.

Ich finde von diesen Spielen brauchen wir mehr. Das ist gut für Neueinsteiger und Wiedereinsteiger!

 

Ihr habt ja schon Erfahrung mit Fanmaterial oder wenn ich so sagen darf als Fanzine Verlag gesammelt. Ist Beyond the Wall der Grund es nun etwas „professioneller“ zu machen?

Ja, mit Cthulhus Ruf haben wir jetzt seit Mai 2012 einiges auf die Beine gestellt. Ohne Pause konnten wir direkt nach dem Wegfall der Cthuloiden Welten, in 6 Monaten, mit einer Ausgabe Cthulhus Ruf anknüpfen. Ich weiß gar nicht mehr wie wir das geschafft haben?!

Inzwischen ist die 8. Ausgabe erschienen, dazu 4 Sammelmappen mit Zusatzmaterial, ein Abenteuerband mit Szenarien die im Untergrund spielen, das ungewöhnliche Mehrpersonenabenteuer Gatsby und das Große Rennen und noch viele andere Sachen. Das läuft jetzt seit über 3 Jahren.

Irgendwann dachte ich mir: Es wäre schön auch mal was eignes zu machen. Wir haben ja gezeigt, dass wir Projekte zum Ende bringen und sind motiviert. Die letzten beiden Ausgaben Cthulhus Ruf erscheinen übrigens zur RPC 2016, womit wir unser selbstgestecktes Ziel von 10 Ausgaben erreicht haben.

Gleichzeitig muss man auch sagen, dass Cthulhus Ruf völlig nonprofit war, wegen der Lizenz die ja bekanntlich bei Pegasus liegt. Wir haben keinen Autor, Layouter, Redakteur usw. bezahlt. Das gefiel mir nicht, da alle großartige Arbeit leisten und diese Arbeit auch bezahlt werden sollte.

Also dachte ich mir: Gründe einen Verlag, schnapp ein cooles Produkt und so kann man auch die Mitarbeiter bezahlen.
Was macht es regelseitig so besonders?

Die Regeln sind einfach und bewährt. Es ist D20 wie man es von der OGL her kennt, aber eine Inkarnation so wie die alte Rote Box, mit vielen kleinen Änderungen im Detail. Es hat zweifelsfrei seinen Charme und es ist kompatibel zu vielen anderen Spielen aus dem OSR-Bereich. Das bedeutet auch, dass man eine Unmenge an Material nutzen kann, ohne großartig umrechnen zu müssen. Rüstungsklasse, Angriffsbonus, Rettungswürfe, Trefferpunkte – Funktionieren alle so wie man es sich vorstellt.
Welche Charaktere spielt man dort, welche Abenteuer erlebt man?

Die Stimmung des Spiels orientiert sich an Lloyd Alexanders Geschichten um den Hilfsschweinehirten Taran oder auch Ursula K. LeGuins Erdsee-Zyklus in dem wir den jungen Sperber auf seiner Zaubererausbildung begleiten. Ich würde auch sagen, dass Michael Endes Unendliche Geschichte oder Otfried Preusslers Krabat gut passen. Es sind alles Low Fantasy Geschichten mit jungen Helden.

Man spielt eine Gruppe Freunde, die alle aus demselben Dorf stammen, und in ihr erstes Abenteuer ausziehen, denn jenseits der Mauer liegen die düsteren Wälder. Dort verbergen sich die Gefahren, die das Dorf bedrohen: Schöne und grausame Feen, die Kinder stehlen; Kulte die abscheuliche Chaosdämonen anbeten und natürlich Wegelagerer die arglosen Händler überfallen.

Die Charaktere beschützen das Dorf und setzen alles daran, dass ihr Heim sicher bleibt.
Was habt ihr mit dem Spiel vor?

Zunächst erscheint das Grundspiel. Wir drucken aber kein Buch sondern wir machen eine Mappe wie bei Cthulhus Ruf. Das heißt wir haben darin Einzelhefte (Regelwerk, Spielleiterheft, Zauberbuch und „Wie man spielt“), sechs Charakterbögen, die Dorfkarte, 4 Szenarien (2 übersetzte, 2 neue von deutschen Autoren) und natürlich die 6 Charakterbücher. Seit dem Ruf bin ich, sehr zum Verdruss von Marc, unserem Layouter, angetan von den Mappen. Ich hätte ja am liebsten eine Box gemacht, aber die Boxen muss man auch irgendwo lagern …

Und ist schon weiteres geplant?

Als nächstes sind zwei neue Abenteuer von deutschen Autoren geplant. Die sollen zur RPC 2016 erscheinen. Ansonsten möchten wir aber alles, was bis jetzt für Beyond the Wall erschienen ist, in deutscher Übersetzung herausbringen. Darunter fällt natürlich auch Further Afield, was wieder als Mappe erscheinen wird.
Wann kommt es?

Beyond the Wall erscheint im 1. Quartal 2016.
Wo kann ich es kaufen?

Zunächst mal auf unserer Webseite unter www.system-matters.de (die einen Umbau bekommen wird) und dann gucken wir mal ob wir ein paar Shops auch dazu bekommen, das Spiel ins Programm zu nehmen. Wir würden uns freuen!
Was?! kein crowdfunding?

Jain! Wir sind ganz neu im Verlagsgeschäft und haben erschreckend wenig Kapital. Trotzdem muss ja irgendwie der Druck bezahlt werden. Dafür sind Crowdfundings natürlich ideal. Aber wir wollten nicht für ein so kleines Spiel einen Kickstarter starten.

Also machen wir das ganz klassisch mit einer Vorbestelleraktion oder auch, ganz professionell, „Subskription“. Die Aktion läuft im Januar an und die ersten 150 Vorbesteller dürfen sich, als Dankeschön, eine beliebige Zufallstabelle wünschen. Vielleicht „Begegnungen im Weltraum“, „Dinge auf einem Hexenregal“ oder „Verdächtige in einer Londoner Polizeiwache“. Alle 150 Wünsche werden dann als kleines Heft gedruckt und den Vorbestellern beigelegt. Wie das genau funktioniert erklären wir im Januar. Wir würden uns freuen wenn wir die 150 Leute zusammenbekommen.

Vielen Dank für das Interview!

Ich habe zu danken!

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