Von der Nordcon 2008

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Conbericht

Initial L

etztes Jahr hieß es ja einige Monate lang bangen und warten, ob der Nordcon dieses Jahr denn überhaupt stattfinden würde. Doch etwaige Sorgen waren unbegründet. Es ist den Machern des traditionellen Hamburger Rollenspielcons gelungen, einen alternativen Veranstaltungsort zu finden – und einen sehr schönen dazu.
Die Schule verfügt über eine schöne Wiese, auf der sich die Larper austoben konnten – und auch die Räumlichkeiten waren weitläufig genug, um alle Händler, Spieler und Workshopleiter unterzubringen.
Für mich als Hamburger war der Nordcon sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen – wie gut die Anbindung für Außenstehende war, kann ich nicht beurteilen. Meiner Ansicht nach hat der Nordcon hier aber einen würdigen Nachfolger des bislang üblichen „Hamburg Hauses“ gefunden.

Wir (¾ des Ausgespielt-Teams – darunter meine Wenigkeit) fanden uns Samstag gegen 11 Uhr am Ort des Geschehens ein. Eigentlich war die Teilnahme an der ein oder anderen Spielrunde geplant. Leider war die für 12 Uhr angesetzte Scheibenwelt-Runde bereits voll und die Werwolf-Runde sollte mehr als fünf Stunden dauern. Und da wir noch den ein oder anderen Vortrag besuchen und natürlich fleißig Geld ausgeben wollten sowie uns mit Ingo von Greifenklaue und Lorp.de zu einem kurzen Plausch verabredet hatten, lautete der Beschluss: Dann halt keine Spielrunde.
Also gings zunächst ins Getümmel der Händler.

Dominik hatte mich im Vorfeld darauf hingewiesen, nach einem neuen Fanzine namens „Abenteuer.“ Ausschau zu halten, dessen Nullnummer auf dem Nordcon erscheinen sollte. Dies tat ich und wurde auch fündig.
Nennt mich altmodisch – aber auch im Zeitalter der Blogs und Podcasts ist es immer wieder eine Freunde ein gutes altes Fanzine in den Händen zu halten. Grundsätzlich war ich also schon mal sehr positiv eingestellt, als ich das gut 20-seitige DIN A5-Werk aufschlug.
Kurz zusammengefasst enthält es teils knappste Abenteuervorschläge, Hausregeln und allgemeine Ideen für das eigene Rollenspiel für die unterschiedlichsten Systeme und Szenarien. In meinen Augen ein sehr wertvollen Fanzine, da solche Dinge zumindest mich mehr interessieren als irgendwelche RPG-News, die man ohnehin überall im Internet findet.
Interessant auch der einleitende Artikel von Clemens Meier zum allseits beliebten Thema „Niedergang des Rollenspiels“ – ein Thema, das gerade mächtig im Fandom die Runde macht und z.B. in den DORP-TV-Interviews zur Spiel 07 aber auch in der ein oder anderen Ausgespielt-Episode behandelt wurde. Clemens analysiert die Lage dieses Hobbys recht schonungslos und attestiert eine kaum zu übersehende Alterung des Fandoms, die – wenn es so weitergeht – unweigerlich das absehbare Ende zur Folge hat.
Und tatsächlich: Man musste sich nur mal auf dem Nordcon umblicken. Meine Mitstreiter und ich mit unseren Anfang 30 waren zwar noch nicht die Jüngsten – aber die Ältesten waren wir noch lange nicht. Will sagen: Nachwuchs unter 20 hat man nahezu vergeblich gesucht – wobei die Sache bei den Larpern da schon anders aussah.
Wie auch immer – Clemens kommt nach dieser vielleicht etwas deprimierenden Analyse eigentlich zu einem recht erfrischenden Fazit: „Was solls? Dann stirbt das Hobby eben irgendwann aus.“ (hier nur sinngemäß zitiert) Und so unrecht hat er ja auch gar nicht (mal vorausgesetzt, dass man die Meinung vom unaufhaltsamen Niedergang überhaupt teilt – denn da hab ich schon so meine Zweifel). Denn solange unsereins weiterspielt, Abenteuer entwirft und sich im Internet oder sonst wo untereinander austauscht, können wir doch zufrieden sein. Dann hat die folgende Generation eben keine Freude mehr am (Pen&Paper) Rollenspiel – hindert uns alte Säcke ja nicht daran, weiterzuspielen. 🙂
„Abenteuer.“ könnte uns dabei künftig gute Dienste leisten.

Als Cthulhu-Fans haben wir uns dann zwei Vorträge zum Thema angehört. Zunächst ging es um die Entstehung der „Cthulhoide Welten“ – und dann um die geplanten Cthulhu-Veröffentlichungen des Pegasus-Verlags in den nächsten Monaten und Jahren.
Letzteres war naturgemäß ein wenig interessanter und ist ein, zwei Anmerkungen meinerseits wert.
So können wir uns – wie schon im Dorp-TV-Interview zur RPC zu hören war – auf ein Buch über die diversen mythischen Orte dieses Planeten freuen (sowohl „real“ als auch dem Mythos entsprungen), gefolgt von einer umfassenden Darstellung aller Monster und Wesen des Cthulhu-Universums. Zu beidem wurde den geneigten Zuhörern exklusive Kopien einiger Illustrationen herumgereicht, die wahrlich Lust auf mehr machen.
Etwas skeptisch war ich wegen der Ankündigung eines Buchs über eine weltweite Mystikerorganisation, die dem Universum einen neuen Hintergrund geben soll. Grund hierfür war das – auch uns wohl bekannte – Problem, dass es für den Spielleiter stets etwas schwer ist, die oft sehr unterschiedlichen Charaktere auf glaubhafte Weise zu einem gemeinsamen Abenteuer zusammenzuführen. Das mag für das erste Abenteuer noch konstruierbar sein – aber schon wenn dieselbe Gruppe auf das zweite Abenteuer lostoben soll, kann es durchaus langsam unrealistisch werden.
Die Lösung soll nun ein mystischer Geheimbund sein, dem die SCs früher oder später angehören. Diese Organisation soll weitweit vertreten sein. Sie kann den Spielern die Aufträge erteilen, ihnen Hintergrundinfos und einen Rückzugsraum bieten – sowie eine Hierarchie, in der die Spieler nach und nach aufsteigen können.
Ich betrachte das wie gesagt skeptisch. Einerseits sehe ich die zugrundeliegende Problematik ja ein – aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass so eine feste Organisation dem Universum eine kleine Besonderheit nimmt. Die Tatsache, dass die SCs eigentlich alle ganz normale Bürgersleut sind, die ein finsteres Schicksal zusammengewürfelt hat, hat doch zumindest einen kleinen Teil des Reizes ausgemacht. Der Auftraggeber vom örtlichen Mystikerclub verwandelt „Cthulhu“ irgendwie ein klein wenig in ein Allerweltsrollenspiel – extrem ausgedrückt.
Aber wie immer wird das natürlich eine Frage der jeweiligen Umsetzung durch Spieler und Spielleiter sein.
Spannend war dann noch die recht detaillierte Ankündigung des „Berge des Wahnsinns“-Abenteuers. Da freu ich mich drauf.

Tja … Abschließendes Highlight für uns war dann der Klönschnack mit Ingo. Danach wurde noch ein wenig Geld unter die Händler gebracht – und dann wars das für uns auch schon wieder mit dem diesjährigen Nordcon gewesen.
Auch wenn wir längst nicht all seine Angebote ausgeschöpft haben, wars wieder sehr schön.

Nordcon

1 Comment
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  1. Hat mich auch gefreut 😉

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