Rezension: Nuclear Sunset: The Southwest
13 Jun 2011

Der Autor

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Wenn ich nicht gerade spiele verunstalte ich Medien. Kommt einem zu Gute bei eigenen Rollenspielen wie Malmsturm oder Projekten wie Ratten!, Savage Worlds Gentlemens Edition, Scion, Sundered Skies und ein paar anderen. An und für sich bin ich der Erzählonkel, daher auch die große liebe zu FATE. Manchmal muss es aber auch ein Burger statt Steak sein und so wird gern und oft auch Savage Worlds oder wenn es klasisch sein soll Pathfinder und Konsorten gespielt. Ich probier gern und oft Systeme aus aber die eigentliche Leidenschaft sind die Hintergrundwelten.

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Mutant Future

The Southwest ist ein kleines PDF-Supplement für Mutant Future. Für etwa 1,40€ erhält der Leser ca.20 außerordentlich gut gelayoutete Textseiten die eine Endzeitregion für das ansonsten noch kaum ausgearbeitete Nuclear Sunset Setting beschreiben.

Der Ton des Settings ist klassisches, etwas pulpiges Endzeit. Eine atomare Katastrophe hat die Welt verwüstet zurückgelassen und die Menschheit nahezu ausgelöscht. Die Überlebenden befinden sich im Wiederaufbau und stellen sich den Gefahren von Monstern, Umwelt und konkurrierenden Banden. Das ganze wird in diesem Fall mit überbleibender Technologie und (teilweise außerirdischer) HighTech bis hin zu Kampfrobotern und Androiden garniert. Damit ist das Setting im großen alles andere als innovativ, bietet aber genug Konfliktpotential und allerhand zum anpacken. The Southwest behandelt den namensgebenden Südwesten der USA, erstreckt sich also von Teilen Colorados über Utahs Salt Lake City hin zum kalifornischen Las Vegas. Das Gebiet hat dabei insgesamt eine naheliegende Färbung durch Wild-Westelemente erfahren und wird mit einigen militärischen Lagern inklusive Roosewelt aufgepeppt.
Auffallen tut das Supplement also weniger durch das Setting als das Format. Durchaus knapp aber dafür auf konkrete Konflikte bezogen werden etwa zehn der wichtigsten Orte, einige plünderbare Ruinen, geographischen Eigenheiten und sechs Banden beschrieben.
Den Hauptteil machen dabei die Orte aus. Tabellarisch wird die ökonomische Grundlage des Ortes, die Population (inklusive Zusammensetzung nach Mutantentypen, Menschen etc.), der Zustand der Infrastruktur und die Herrschaftsstruktur beschrieben. Darauf folgt ein loser Text zur Geschichte des Ortes, den (möglichen) Konflikten und anderen Auffälligkeiten. Daran anschließend folgen konkretere „Adventure Hooks“ die etwa den gleichen Umfang wie die Stadtbeschreibung ausmachen sowie eine Tabelle zur Stellung des Ortes zu den vier Hauptfraktionen. Diese Angaben weisen nicht nur noch einmal knapp auf die Konflikte hin, sondern werden spätestens dann wichtig wenn sich die Spieler einer Fraktion anschließen oder sich politische Veränderungen einstellen. Die Vier Hauptfraktionen sind eine rassistsiche Bewegung zur (Wieder)herstellung ‚amerikanischer‘ Vorherrschaft, ein Gangzusammenschluss, eine Mafiagruppierung sowie die Marshalls. Alle vier Gruppen – sowie zwei nur angedeutete Gruppen – werden Separat dargestellt und beinhalten neben dem Symbol und Motto auch konkrete Bedingungen für die Mitgliedschaft sowie – natürlich – eine längere Info über Aktivitäten, Ziele und Konflikte der Gruppierung.
Sowohl Orte als auch Gruppen werden dabei jeweils auf etwa einer Seite beschrieben. Dies ermöglicht dem Spielleiter schnell einen lebendigen Überblick über die Region zu gewinnen, der sicherlich für viele Spielabende oder sogar Kampagnen gut ist. Der Überblick ist inspirierend geschrieben und hat immer das konkrete Spiel im Blick. So gibt es einige kleine Details die helfen können das jeweilige Feeling eines Ortes zu vermitteln und den Alltag mit leben zu füllen. Die Adventure hooks geben dabei ohne großen Aufwand Ideen für Probleme, Aufgaben und Ziele für die pieler. Leider sind alle diese Beschreibungen sehr knapp. Fast alles wird nur angedeutet und nicht weiter ausgeführt, so dass wirklich konkrete Abenteuer letztlich doch einiges an selbstständigkeit des Spielleiters erfordern. Weder gibt es Namen für konkrete Personen, noch Spielwerte. Genau das ist jedoch die Stärke und schwäche des Supplements zugleich. Es liefert Inspiration ohne zu verbindlich zu werden und steckt einige Eckpfeiler ab. So entsteht ein motivierender Spielplatz in dem sich die Gruppe aktiv einbinden und mitgestalten kann.

Die Ideen für Orte, Gruppen und Abenteuer sind allesamt halbwegs plausibel, legen jedoch keinen Wert auf allzu großen Realismus. Das Setting befördert einen pulpigen Stil mit viel Action, Klischees und Kontrasten. Das ist letztlich Geschmacksache kann jedoch sehr gut angepasst werden, da das Setting keinen übergreifenden Metaplot besitzt. So dürfte sich die Regionalbeschreibung mit etwas Anpassung für viele Endzeitstile eignen.
Schwächen liegen jedoch in der Aufbereitung. Zwar sind 20 Seiten gut zu überblicken, die Informationen sind aber nicht gerade leserfreundlich angeordnet. Es fehlt ein Inhaltsverzeichnis und die Anordnung der Informationen ist teilweise fragliich. So werden die treibenden Gruppen werden erst nach den Orten geschildert und manche Gruppeninfos werden nur in den vorhergehenden Beschreibungen der Schwerpunktorte beschrieben.
Auch sind nicht alle Gruppen gleichermaßen gut eingearbeitet worden. So wird Beispielsweise das Kartell als Hauptfraktion behandelt, spielt aber in keinem der Orte eine ausformulierte Rolle.
Lücken finden sich auch im Hinblick auf außerhalb der Region liegende Orte oder den allgemeinen Hintergrund. Zwar lässt sich alles erschließen oder mit etwas Improvisation lösen, ein Blick in das – kostenlose – Mutant Future Buch kann aber nicht schaden. Hier finden sich neben Preisinformationen und Hinweise zu den Mutantentypen auch die verwendeten Regeln für das durchsuchen von Ruinen. Aber auch jedes andere Endzeitsystem sollte diese Leerstellen problemlos füllen können.

Alles in allem ist der verstrahlte Südwesten eine inspirierend gestaltete Endzeitregion die ohne viel Vorbereitung mit fast jedem Endzeitsystem bespielt werden kann und statt auf dystopische Depression auf Bandenkonflikte, Neuaufbau und zahlreiche Quests setzt. Das Layout und die Karte ist ebenso wie die beiden ganzseitigen Illustrationen hervorragend gestaltet. Wer also irgend eine Verwendung für eine stimmige Endzeitregionalbeschreibung hat, kann gerade für den Preis nichts falsch machen, sollte jedoch keine großen Überraschungen oder penible Details erwarten.

Titel: Nuclear Sunset – The Southwest
Art: Regionalebschreibung
Verlag: Vigilance Press
Publikationsjahr: 2011
Umfang: 24 Seiten (20 Seiten Inhalt)
Preis: ca. 1,40€ (Pdf)
Rezensent: Andreas G.

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