Rezension: Legends of Steel
28 Jun 2009

Der Autor

avatar
Wenn ich nicht gerade spiele verunstalte ich Medien. Kommt einem zu Gute bei eigenen Rollenspielen wie Malmsturm oder Projekten wie Ratten!, Savage Worlds Gentlemens Edition, Scion, Sundered Skies und ein paar anderen. An und für sich bin ich der Erzählonkel, daher auch die große liebe zu FATE. Manchmal muss es aber auch ein Burger statt Steak sein und so wird gern und oft auch Savage Worlds oder wenn es klasisch sein soll Pathfinder und Konsorten gespielt. Ich probier gern und oft Systeme aus aber die eigentliche Leidenschaft sind die Hintergrundwelten.

Teilen

Legends of Steel Logo

Savage Worlds Edition

Legends of Steel – Savage Worlds Edition ist ein Quellenbuch für das „Savage Worlds“-Rollenspiel. Die reißerischen Worte auf dem im Stil eines Comic-Covers aufgemachten Titelblatt berichten von „Savage Adventures in a Thrilling World of Sword and Sorcery“.

Das Cover ist der beste Teil des Layouts. Die bunte Zeichnung einer großen Kampfszene zwischen vier Menschen und einer Horde Echsenmenschen vor dem Eingang zu alten Ruinen ziert den Buchdeckel bzw. die erste Seite des PDFs und ein großes Banner verkündet den Titel des Werks. Die Innengestaltung fällt vergleichsweise enttäuschend aus. Das einspaltige Layout ist zwar übersichtlich aber doch etwas simpel geraten, was auch die durchaus gelungenen Zeichnungen nicht verbergen können. Die Seitenbegrenzung am äußeren Rand – was immer sie darstellen mag – sind ganz hübsch, die untere Seitenbegrenzung liegt jedoch völlig unmotiviert über den mittig angebrachten Seitenzahlen, ist furchtbar pixelig und ragt unschön in die seitliche Grafik hinein. Sie wirkt, als wäre sie ein Überbleibsel aus einer verworfenen Version des Files, das eigentlich gelöscht werden sollte. Die Karte der Welt Erisa, die bei Kauf des PDFs zusätzlich als getrennter File mitgeliefert wird, ist hingegen hervorragend. Zusammen mit dem Download erhält der Käufer außerdem eine druckerfreundliche Version des Buches ohne Bilder oder Seitenränder.

Cover

Inhaltlich ist der Band gelungener. In „Legends of Steel“ geht es – so verrät uns die kurze Einleitung – um „Sword and Sorcery“ wie sie in den Comics der 70er und 80er und den Fantasyserien der 90er (Xena, Hercules, Sindbad, …) dargestellt wird. Der Schwerpunkt liegt auf den Comics.

Die ersten zwanzig Seiten des Heftes sind den Spielerinformationen gewidmet. Die Charaktererschaffung ermöglicht es S&S-Helden jeglicher Art zu entwickeln, vom allgegenwärtigen Barbaren, über Händler, Diebe, Seemänner bis hin zu Zauberern. Da das Savage-Worlds-Regelwerk schon von sich aus sehr flexibel ist, sind kaum Regelanpassungen nötig. Die Charaktere starten etwas mächtiger als in anderen Settings und es gibt ein paar dem Genre angemessene Talente und Handicaps, die aber auch gleichzeitig einer der Schwachpunkte des Bandes sind. Talente wie „One foe at a time“ (Statisten greifen den Charakter immer hübsch der Reihe nach an und nie gleichzeitig) oder die veränderte Version von „Attraktiv“, in der die Figur immer gut aussieht, auch wenn sie gerade aus einem Sumpfloch gekrochen ist, werden zwar den Comics gerecht, ruinieren aber meiner Meinung nach jede Chance, dass die Figur auch nur halbwegs ernst genommen wird. Die meisten neuen Talente – und das sind nicht wenige – sind aber brauchbar.

Das Spielerkapitel enthält außerdem Tipps und Betrachtungen des Genres. Ein kurzer Abschnitt beschäftigt sich beispielsweise mit Tavernen, die in solchen Geschichten ja immer eine große Rolle spielen, und beschreibt drei Beispiel-Etablissements. Auf Seite 19 ist meine persönliche Lieblingsregel: Saufgelage. Zunächst wird geregelt, ob der entsprechende Charakter bis zum Filmriss trinkt oder nicht. Das ist noch nichts Besonderes, aber eine Zufallstabelle gibt an, was für Auswirkungen die Sauferei hatte. So kann der Charakter viel Geld ausgegeben, ein Schiff gewonnen oder geheiratet haben. Er kann sogar als Sklave auf einem Schiff erwachen. Zu schade, dass die Tabelle nur 10 Einträge hat.

Der Rest des Heftes ist für den Spielleiter bestimmt. Mit über 30 Seiten der weitaus größte Teil beschreibt die Welt Erisa, die als Beispiel für eine Sword-and-Sorcery-Welt dienen soll. Und Erisa ist dazu wirklich wunderbar geeignet. Auf der Karte namentlich erwähnte Orte werden in alphabetischer Reihenfolge beschrieben. Jeff Mejia verschwendet keine Worte. In schnellem Takt haut er dem Leser die Informationen nur so um die Ohren und zaubert das Bild einer magischen, barbarischen Welt vor seine Augen. Zu jedem Eintrag gehört nicht nur ein Absatz, der einen Überblick über den Ort gibt, sondern auch Angaben zu dessen Stärken, Schwächen, Möglichkeiten und Gefahren. In der reichen Stadt Akkar schwelt beispielsweise ein Konflikt zwischen zwei Kirchen, der sich zu einem Gottkrieg ausweiten könnte (Gefahr). Die Büchereien sind voll mit den seltensten Büchern (Möglichkeiten). Zu ihren Stärken gehört die Tatsache, dass viele große Tempel für Recht und Ordnung sorgen, zu ihren Schwächen, dass die herrschende Theokratie mit so starker Hand regiert, dass es an Unterdrückung grenzt.

Diese Art der Weltbeschreibung gibt dem Spielleiter Dutzende von Abenteuerideen, ohne ihn mit langen Textmassen zu erschlagen. Mejia erschafft hier eine stimmungsvolle und vor allem spielbare Welt, bei der Spieler und Spielleiter im Mittelpunkt stehen.

Es schließen sich drei Seiten mit Kurzbeschreibungen von weniger wichtigen Orten und noch einmal drei mit den Göttern von Erisa an. Den Abschluss bildet ein einfaches aber gelungenes Abenteuer, in dem sich die Gruppe in eine gefährliche Horde von Flusspiraten einschleusen muss. Sechs Beispielcharaktere schließen das Buch ab.

Erisa ist eine gut gemachte Sword-and-Sorcery-Welt, der für jede Art von S&S geeignet ist. Die Regeln von „Legends of Steel“ zielen nur auf einen Teilbereich dieses Spielstils ab, nämlich die Comics und Serien. Es ist sicherlich meinem persönlichen Geschmack geschuldet, dass ich diese Einschränkung als unnötig empfinde. Zum Glück ist sie aber minimal, da der Stil trotzdem weit gefasst ist und man ihn leicht anpassen kann, indem man nur ein paar Talente weglässt.

„Legends of Steel“ ist kein typisches „Savage Worlds“-Quellenbuch, sondern eher eine „normale“ Weltbeschreibung mit ein paar Regeloptionen (es soll auch noch Umsetzungen für andere Regeln veröffentlicht werden). Als diese funktioniert das Buch aber wunderbar.

Titel: Legends of Steel – Savage Worlds Editioin
Art: Quellenbuch
Regeln: Savage Worlds
Verlag: Evil GM Productions
Publikationsjahr: 2009
Autor: Jeff Mejia
Sprache: Englisch
Illustrationen: Diverse
Umfang: 70 Seiten
Bindung: Digitales *.pdf / Softcover
Preis: $12 / $22,25
Rezensent: Andreas Melhorn
Links:

2 Comments
2 Kommentare
  1. kleine Zusatzinfo: das Setting ist eine SW-Ausführung des älteren und bereits erschienenen „Broadsword“ bzw. „World of Broadsword“ vom selben Autor
    http://www.rpg.net/reviews/archive/13/13301.phtml
    http://www.blackgate.com/a-rev.....roadsword/

  2. Hey, klingt ganz spannend! 🙂
    Gute geschriebene Rezension!
    Ich denke ich gucke mir das Ding mal an!

Sag was dazu

*

DriveThruComics.com