Rezension: Faulkner’s Millinery and Miscellanea
06 Feb 2010

Der Autor

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Wenn ich nicht gerade spiele verunstalte ich Medien. Kommt einem zu Gute bei eigenen Rollenspielen wie Malmsturm oder Projekten wie Ratten!, Savage Worlds Gentlemens Edition, Scion, Sundered Skies und ein paar anderen. An und für sich bin ich der Erzählonkel, daher auch die große liebe zu FATE. Manchmal muss es aber auch ein Burger statt Steak sein und so wird gern und oft auch Savage Worlds oder wenn es klasisch sein soll Pathfinder und Konsorten gespielt. Ich probier gern und oft Systeme aus aber die eigentliche Leidenschaft sind die Hintergrundwelten.

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Quellenbuch zu Victoriana

Quellenbuch für das Victoriana-Rollenspiel, 2nd Edition, erschienen beim Cubicle7-Verlag. Neben dem Grundregelwerk und einem recht netten Abenteuer gibt es für das Victoriana-Rollenspiel nun auch dieses Quellenbuch. Da der gemeine Rollenspieler das viktorianische Zeitalter, zumal fantasymäßig verfremdet, wohl kaum so genau kennen dürfte wie die Verhältnisse in Mittelerde im zweiten Zeitalter oder die historische Entwicklung Aventuriens, ist es aus meiner Sicht durchaus eine gute Idee, hier für einen besseren Hintergrund zu sorgen.

Da ist eine Sammlung von alltäglichen Gegenständen, Waffen, magischen Artefakten und allerlei Exotika, wie das vorliegende Quellenbuch sie darstellt, sicherlich ein gutes Werkzeug, um das Flair und auch das „Tech-Level“ dieser Ära für den Nichtexperten fassbarer zu machen.

Faulkner

Faulkner’s Mode- und Gemischtwarenhandel (so die freie Übersetzung des Titels) gibt einen recht umfassenden Überblick, was der Victoriana-Charakter so alles in seiner Ausrüstungs-kiste vorfinden könnte. Das Ganze ist aufgebaut wie ein Warenhauskatalog und nach folgenden Themen bzw. Kapiteln gegliedert:

1 Kleidung
2 Alltägliche Gegenstände
3 Waffen
4 Steampunk-Artefakte und Apparaturen
5 Magisches Zubehör
6 Fremdländische Verlockungen
7 Reisen und Vergnügungen
8 Agenturen und Dienstleistungen

Durch die einzelnen Kapitel begleitet den Leser jeweils eineNichtspielerfigur, die ein ausgewiesener Experte des behandelten Themas und zu allem Überfluss noch mit allen relevanten Spielwerten und einer ausführlichen Hintergrundgeschichte versehen ist. Eine nette Idee, zumal einige der NSC’s recht gut als Plot-Hooks taugen. Mir hat z. B. der geniale Erfinder Samuel Clouston, der erst in Mr. Faulkners Haus einbrechen und den Safe knacken muss, um den Warenhausbesitzer von der Qualität seiner Apparaturen zu überzeugen, recht gut gefallen.

Allerdings ist die Akribie, mit der sich die Autoren der Beschreibung viktorianischer Gebrauchsgegenstände widmen, manchmal grenzwertig. Es ist schon nicht sehr wahrscheinlich, dass Informationen darüber, wie viel ein Stück Seife oder die Installation einer Badewanne kosten, jemals spielrelevant werden. Zu wissen, wieviel Englische Pfund man für ein Damenpetticoat hinblättern muss und in welchen verschiedenen Farben Faulkner’s diese Unterwäsche liefern kann, ist meiner bescheidenen Meinung nach aber dann doch vollkommen überflüssig, um nicht zu sagen bescheuert.

Hat man sich aber durch die ersten beiden Kapitel gekämpft (oder besser: hat man sie in Windeseile überblättert), wird aus Millinery & Miscellanea doch noch ein brauchbarer Quellenband.

Man kann sich zwar die Frage stellen, ob ein Spiel mit einem relativ übersichtlichen Kampfsystem eine solch umfangreiche Liste an verschiedenen Waffen benötigt. Aber jedenfalls liefert Faulkner’s dem geneigten Spieler eine ordentliche Auswahl an Feuerkraft. Die Steampunk-Apparaturen sind überwiegend recht witzig. So kannst Du Deinen Hund beispielsweise „Bonzo’s Battle Bonnet“ beschenken, einem Hundehelm, dessen Mundstück die Klauen des treuen Gefährten mit einem Stahlüberzug ausstattet.

Die magischen Gegenstände enthalten von Tränken und Pülverchen über verwunschene Statuen und Zauberbücher alles, was eine magisch begabte Spielerfigur sich erträumen kann. Die Importe aus fernen Ländern sind dazu angetan, das Klischee vom immer nebligen London ein wenig aufzulockern. Und die Informationen, mit welchen Transportmitteln man seinerzeit üblicherweise gereist ist, sind für den Spielleiter, der eine „überregionale“ Kampagne vorbereitet, sicherlich sehr wertvoll.

Ob man im Spiel die Beschreibung einer Versicherungsgesellschaft so nötig braucht wie die Darlegung der Tätigkeit eines Hexenjägers sei einmal dahingestellt. Dass man sich im 19. Jahrhundert überhaupt schon eine Versicherungspolice kaufen konnte, weiß aber sicher auch nicht jeder.

Das Buch ist im Übrigen optisch recht gefällig aufbereitet mit netten Schwarzweiß-zeichnungen, einem zeitgenössischen Gemälde auf dem Einband und dem einen oder anderen Foto aus damaliger Zeit. Wie immer bei Viktoriana nichts Aufsehenerregendes, aber doch solide und nett anzuschauen.

Fazit: Auch wenn das Buch in seiner Detailverliebtheit an einigen Stellen über das Ziel hinausschießt, muss man unter dem Strich sagen, dass man mit Faulkner’s Millinery & Miscellanea einiges anfangen kann, wenn man seine Viktoriana-Runde mit dem richtigen Flair und Ambiente versehen will. Sicherlich kein „Must have“, aber unter dem Strich auch keineswegs ein Fehlkauf.

Titel: Faulkner’s Millinery and Miscellanea
Art: Quellenbuch
Regeln: Victoriana 2
Sprache: Englisch
Verlag: Cubicle 7
Publikationsjahr: 2009
Autor: Adrian Bott, James „Grim“ Desborough, Dave Elrich, Caz Granberg, Chris Hartford und Andrew Peregrine
Illustrationen: James Tisort und andere Künstler aus der Jahundertwende
Farbe: schwarz/weiß
Umfang: 192
Bindung:Softcover
Preis:29,95
ISBN:9780955542343
Rezensent: Stefan Frink

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