Rezension: Dresden Files RPG #3
11 Jul 2010

Der Autor

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Wenn ich nicht gerade spiele verunstalte ich Medien. Kommt einem zu Gute bei eigenen Rollenspielen wie Malmsturm oder Projekten wie Ratten!, Savage Worlds Gentlemens Edition, Scion, Sundered Skies und ein paar anderen. An und für sich bin ich der Erzählonkel, daher auch die große liebe zu FATE. Manchmal muss es aber auch ein Burger statt Steak sein und so wird gern und oft auch Savage Worlds oder wenn es klasisch sein soll Pathfinder und Konsorten gespielt. Ich probier gern und oft Systeme aus aber die eigentliche Leidenschaft sind die Hintergrundwelten.

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The Dresden Files Roleplaying Game – Our World

Wenn das Dresden Files Roleplaying Game eigentlich komplett im Buch Your Story zu finden ist, also YS das Grundregelwerk ist, was ist dann Our World?
In Ermangelung eines passenden Ausdrucks würde ich erstmal sagen: es ist das Setting-Buch.
Aber das stimmt so nicht wirklich. Denn in YS ist eigentlich genug zum Setting gesagt und man baut seine eigene Stadt – da reicht es ja eigentlich.

Our World ist schwer einzuschätzen. Man braucht es nicht dringend, um DFRPG zu spielen. Aber es ist eigentlich eine ganze Menge – und davon ist wiederum eine ganze Menge mehr als nützlich.

Das Buch beginnt mit einer Kurzgeschichte von Jim Butcher – die ich leider nicht beurteilen kann, da auch diese Rezension ja auf der Early Bird-pdf-Version beruht und die Kurzgeschichte zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig war.
Denn ja, die Kurzgeschichte wurde von Jim Butcher eigens für dieses Buch verfasst, es wurde also nicht irgendeine seiner anderen Dresden Files-Kurzgeschichten verwendet. Das allein macht es für einen Fan der Romanserie ja schon fast zum Muss. Zumindest wenn man alles von Jim Butcher sammelt.
Aber auch für diejenigen, die die Bücher eben noch nicht kennen, eröffnet diese Kurzgeschichte natürlich die Möglichkeit die Schreibe von Jim Butcher einzuschätzen. Vielleicht kommt man ja dadurch endgültig auf den Geschmack, wenn nicht schon die Lektüre von Your Story einen neugierig auf die Geschichten um den Magier-Detektiv gemacht hat.

Das nächste Kapitel Our World Order beschäftigt sich nochmals mit der übernatürlichen Gesellschaft. Es werden die Fraktionen, wie die Faeries und die Vampirhöfe vorgestellt, sowie ein wenig mehr auf die Unseelie Accords eingegangen. Dieses „Gesetz“ der übernatürlichen Welt birgt einige Fallstricke – und steht den Gesetzen der Magie quasi gegenüber. Nicht inhaltlich, sondern in dem was es betrifft und wie es formuliert ist bzw. angewandt wird. Denn während die sieben Gesetze der Magie wie in YS erklärt mehr dem Sinn nach interpretiert werden, gilt bei den Unseelie Accords nur der reine Wortlaut. Eine fiese Sache. Aber was will man auch erwarten von einem Regelwerk, dass von einer der Feenkönigin geschaffen wurde.
Zudem werden noch die übergeordneten Konflikte des Dresdenverse besprochen, wie zum Beispiel den aktuellen Vampirkrieg, den der Rote Vampirhof mit dem White Council, also den Magiern führt. Und der wohl direkt von Harry Dresden ausgelöst worden war.
Ob und wie man diese Konflikte einbaut, ist natürlich dem Spielleiter bzw. der Gruppe überlassen. Aber dazu später noch ein paar Worte.

What Goes Bump ist fast schon als das Monsterhandbuch zu bezeichnen. Auf fast 70 Seiten werden alle möglichen Wesen und Arten des Übernatürlichen beschrieben, die einem im Dresdenverse begegnen können.
Wenn ich Monsterhandbuch sage, meine ich damit nicht die D&D-Variante. Immer ein Bildchen und eine ausführliche Beschreibung sowie alle Spielwerte. Zu jedem Wesen – und es ist von Drache bis Zombie, Fee bis Werewolf, von Göttern bis zu den Alten alles mögliche vertreten – erhält man eine Beschreibung, die ganz unterschiedlich lang ausfallen kann. Dann folgt in welchem von Harry Dresdens Fällen dieses Wesen das erste Mal in Erscheinung trat. Und schließlich wird einem verraten What we know, welche Kräfte es normalerweise hat und mit welchen Schwächen es zu kämpfen hat. Bei wirklich interessanten und häufig auftretenden Wesen gibt es auch die regeltechnische Ausstattung. Also High Concept, Aspekte, Fähigkeiten, Powers, Stress und sonstige Anmerkungen.
Nicht jedes Wesen ist eben mit diesen Spielwerten ausgestattet. Aber das macht auch Sinn, denn bei manchen handelt es sich um Wesen, die eher als Plot Device eingesetzt werden sollten. Wer will schon für einen Gott konkrete Spielwerte festsetzen? Aber auch ohne diese Werten sind Tipps gegeben mit was man den Gegnern am besten ausstatten sollte, wenn man sie doch benötigt.
Zu den meisten Viechern gibt es Randbemerkungen von Harry Dresden und es entspannen sich wiederum Dialoge zwischen ihm, Bob dem Geist und Bill, der wie schon Your Story auch dieses Werk „verfasst“ hat. Diese Kommentare sind sogar noch unterhaltsamer als bei YS.
Allein wie dieses Kapitel geschrieben ist, macht es auf jeden Fall lesenswert.
Es enthebt den Spielleiter aber auch von der lästigen Arbeit sich für Standardgegner eigene Aspekte, Fähigkeiten und Stunts zu überlegen.
Vielleicht wären ein paar mehr Bilder zu den jeweiligen Monstern zu wünschen gewesen, aber großartig stören tut es mich zumindest nicht.

Als nächstes geht es zum größten Abschnitt von Our World, nämlich dem Who’s Who.
Während schon die vorherigen Kapitel und natürlich auch das ganze Your Story Spoiler über Spoiler für die Dresden Files-Romane verraten haben, ist das Who’s Who das absolute Spoiler-Paradies.
Fans, die natürlich schon alle Bücher gelesen haben, finden hier das Compendium zur Serie schlechthin. Zwar sind nicht alle Bücher miteinbezogen – man hat „nur“ die ersten neun Bücher verwendet, da man auch jenen Fans die Chance lassen wollte, die sowohl das neueste Hardcover also auch das letzte Taschenbuch noch nicht in Angriff nehmen konnten, sich nicht selbst den Spaß verderben zu lassen. Dennoch ist es extrem umfangreich und ausführlich.
In alphabetischer Reihenfolge sind also alle Charaktere aufgeführt, die in den Fällen von Harry Dresden bisher eine Rolle gespielt haben. Mögen es Freunde, Feinde, Verbündete oder Auftraggeber sein – meistens wohl Feinde.
Und ja, auch Harry Dresden ist enthalten. Fast alle NSCs haben Spielwerte, so auch der Meisterdetektiv persönlich. Interessant ist hier, dass seine Werte nicht aktuell sind, sondern ihn nach dem ersten Fall darstellen. Das ist bei anderen NSCs auch der Fall und eine kluge Sache – es werden Tipps gegeben, wie sich diese Charaktere später weiter entwickeln. Aber so kann der Spielleiter die Charaktere zum einen selbst hochschrauben, was einfach wäre als sie wieder runter zu setzen. Wenn er aber diese Charaktere gar nicht benutzen will – zu diesem Thema nachher noch ein oder zwei Worte – kann er zumindest die Werte für seine eigenen NSCs übernehmen.
Um noch mal auf Harry Dresden zu kommen: die Macher zeigen hier wieder, wie sehr sie mitdenken. Also zumindest ist das mein persönliches Urteil über die Autoren. ;o) Sie geben nämlich an, was man machen könnte, wenn man Harry Dresden, der ja so eine zentrale Rolle im Dresdenverse spielt, nicht im Spiel haben möchte. Zwar geben sie einige Plotpunkte an, die ohne ihn anders und fatal ausgegangen wären, sie geben aber auch Tipps an welchen Stellen man ihn wie umbringen oder ihn zum Bösewicht werden lassen könnte.

Nach dem Nichtspielerverzeichnis kommt noch das, was fehlen würde, um dann doch die Erlebnisse von Harry Dresden nachzuerzählen oder sich tatsächlich einzumischen. Es wird nämlich das Occult Chicago vorgestellt, die Stadt, in der Harry Dresden lebt.
Aber so einfach wird es einem nicht gemacht. Denn dieses Kapitel ist wie Billy einmal anmerkt eigentlich eine Werkzeugkiste. Es ist keine Präsentation wie die von Nevermore Baltimore, die komplett ausgestattet und sofort spielbar ist. Das heißt nicht, dass weniger Info vorhanden ist. Im Gegenteil, allein die historischen und sonstigen realen Infos über Chicago, die hier auftauchen, sind wahnsinnig informativ. Halleluja, Chicago ist echt eine aufregende Stadt.
Im Endeffekt werden verschiedene Themen präsentiert, erst für die Stadt im Gesamten (und es gibt viele mögliche Themen, nämlich 15) und dann die einzelnen Stadtviertel mit zwei vorgeschlagenen Themen und weitere Infos.
Aus all dem kann man sich sein eigenes Chicago bauen, wenn man denn Chicago als Stadt für seine Gruppe haben möchte.
Es ist außerdem äußerst amüsant die Kommentare von Billy darüber, wie Harry anscheinend immer wieder die falschen Orte und Gegenden in seinen Fällen dokumentiert. Ich kenne mich ja in Chicago nicht aus, welch Überraschung. Aber so wie es sich für mich anhört, haben die Autoren diesen Teil genutzt um sämtliche geographischen Irrungen und Wirrungen aus Jim Butchers Büchern zu korrigieren.

Damit kommt man zum Schluss von Our World, zu dem der gesamte Index noch mal enthalten ist. Sprich der gleiche Index wie in Your Story.
Und ganz ganz am Ende eine kleine Dreingabe: eine Art Gallery, die Entwürfe und frühere Illustrationen zeigt, die ursprünglich verwendet werden sollten, als das Budget für das DFRPG noch geringer war und man ein schwarz-weißes Design geplant hatte. Ein netter Abschluss, der vielleicht auch bisschen zeigt wie lange dieses Projekt gereift ist.

Was also halte ich von Our World?
Der Stil, nämlich die Kommentare von Harry, Bob und Bill, die sich über den ersten Entwurf des Buches unterhalten, ist einfach großartig. Des öfteren wird auch erwähnt, dass man bestimmte Infos aus der endgültigen Fassung streichen sollte, da sonst die „realen“ Personen entweder Schaden nehmen oder verärgert werden könnten. (Da hoffe ich mal, dass die endgültige Fassung der Bücher nicht tatsächlich in diesen Punkten von der Early Bird-Version abweichen. Kleiner Scherz.)

Und jetzt noch ein kleiner Diskurs: wer kennt nicht mindestens eine Spieler, der die Romane über Drizzt Do’Urden gelesen hat und dann entweder einen Halb-Dunkelelfen oder zumindest ein Mitglied einer grundlegend bösen Rasse spielen wollte, der aber überraschenderweise der einzige Vertreter seiner Art mit gutem Charakter und echten Heldenambitionen ist?

Was zum Teufel hat das mit dem DFRPG zu tun? Die Gefahren eines Rollenspiels, das in einem bereits in einem anderen Medium umgesetzten Setting spielt.
Es gibt Spieler und schlimmer noch Spielleiter, die dieses Setting so sehr lieben, solche Fans sind, es so verinnerlicht haben, dass die Gefahr besteht das bereits Gelesenes/Gesehenes/Gehörtes einfach geklont wird.
Hierüber könnte man einen eigenen Artikel schreiben. Und ich habe hier schon mit mehr als einem Spielleiter längere Diskussionen geführt. Aber das soll an dieser Stelle nicht weiter erörtert werden – immerhin ist dies auch ganz stark eine Frage des Geschmacks. Und über den soll man ja nicht streiten? Oder war es „kann“ mach nicht streiten?
Egal. Die Gefahr besteht beim DFRPG natürlich auch. Besonders, da so ausführlich die Romane einbezogen werden. Und da die Helden und Großen Bösen so detailliert wiedergegeben sind.
Aber – und hier würde ich gerne mal hören, was andere dazu sagen – ich finde, in diesem Fall ist das Setting so umgesetzt, dass man dieser Gefahr sehr gut aus dem Weg gehen kann.

Die beiden Bücher Your Story und Our World sind zum einen in einem eigenen Design gehalten – sie orientieren sich nicht an den Covern der amerikanischen oder britischen Romanen. Höchstens vielleicht etwas an den Comics, da daraus Illus verwendet wurden bzw. diese im Stile von Comcis gehalten sind.
Was es aber wirklich ausmacht, ist die Art wie die Texte verfasst sind. Der bereits in der Rezension zu YS verwendete Trick, dass eigentlich alles von wirklichen Personen des Dresdenverse geschrieben wurde und sich dann noch Personen aus diesem Setting über die Umsetzung unterhalten und sie kommentieren oder gar bewerten, ist hervorragend.

Ganz abgesehen davon ist einfach die Fülle, die Tiefe, die Dimension dieser Urban Fantasy-Welt so gestaltet, dass man jede Menge eigene Plots darin entdeckt. Es hilft natürlich die Bücher nicht gelesen zu haben – aber irgendwie glaube ich, selbst das „schadet“ einem nicht.

Ich muss aber gestehen, dass ich meinem Spielleiter für unser Setting klar den Wunsch gegenüber geäußert habe, dass ich eigentlich niemand aus dem Who’s Who in „meiner“ Stadt treffen möchte.
Ein Denarian ist schon aufgetaucht. Na gut, das verstehe ich noch. Aber sollte Harry Dresden jemals nach München kommen, dann muss ich ihm wohl kräftig in den Hintern treten. Ob ich damit Harry oder meinen Spielleiter meine, lasse ich mal offen.

Fazit: Keine Lust die Romane von Jim Butcher zu lesen – oder weniger fies ausgedrückt: keine Zeit? Aber dennoch so verteufelt neugierig? Dann kann man liebend gerne dieses Buch lesen.
Aber das ist kein aussagekräftiges Fazit für den zweiten Teil eines der meist erwarteten Rollenspiele dieses Jahr.

Während Your Story ein starkes Rollenspiel-System ist, ist Our World der perfekte Ergänzungsband. Man muss ihn nicht kaufen, aber man versäumt etwas. Denn Our World ist gut geschrieben und damit unterhaltsam – was ich schon an der Schreibe und Gestaltung in YS mochte, trägt hier sogar noch mehr zur überzeugenden Umsetzung bei. Dazu gibt es dem Spielleiter einige Werkzeuge für seine Version dieses Urban Fantasy-Settings, nimmt ihm Arbeit ab (Monsterwerte) und bietet viele Inspirationen.
Ein Spieler muss das Werk nicht besitzen, aber es schadet nicht unbedingt. Und es ist lesenswert.

Wenn man also genug Geld übrig hat, dann lohnt es sich auf jeden Fall beide Bücher des DFRPG zu kaufen. Hat man nicht genug, dann hängt es davon ab um was es einem geht. Ums System, dann Your Story. Geht es rein um die Romane um Harry Dresden, dann Our World.
Aber ehrlich gesagt, beides lohnt sich. Oder hab ich das schon erwähnt?

Titel: The Dresden Files Roleplaying Game – Our World
Art: Setting
Regeln: Fate 3.0
Sprache: Englisch
Verlag: Evil Hat Productions
Publikationsjahr: 2010
Autor: Leonard Balsera, Jim Butcher, Genevieve Cogman, Rob Donoghue, Fred Hicks, Kenneth Hite, Ryan Macklin, Chad Underkoffler, Clark Valentine
Illustrationen: farbig
Umfang: 272
Bindung: Hardcover, pdf
Preis: 32,95€ für Printausgabe und pdf, ca. 16,-€ für das pdf
Rezensent: Irene Strauß
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3 Comments
3 Kommentare
  1. Zero individual may be worth your favorite holes, and also the one who is simply won‘p mean that you are outcry.
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  2. Basically no woman or man is valued at ones own crying, and also the a person that can be claimed‘s turn you into holler.
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  3. Do not ever scowl, even if one is sad, books can never predict that’s plunging deeply in love with a grin.
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